Was du über Schreibblockaden wissen solltest – auch wenn du selbst nicht schreibst

Schreibblockaden: Der größte Feind sitzt zwischen deinen Ohren • Design by Astrid von Weittenhiller

In diesem Artikel geht es nicht nur um Schreibblockaden. Es geht um Ängste, Zweifel und Verzögerungstaktiken. Und es geht um folgende Erkenntnis: Mein größter Feind sitzt zwischen meinen Ohren.

Ich weiß nicht, wie es bei dir ist. Ich habe immer wieder das Bedürfnis, bestimmte Sachen besonders gut zu machen. Das sind Dinge, die mir wirklich wichtig sind.

Die möchte ich nicht nur ganz gut, sondern richtig gut können.

Schreiben gehört dazu. Daher hatte ich letzten Herbst einen wundervollen Schreibkurs belegt und war voller Begeisterung dabei.

Doch das brachte ein Ergebnis, mit dem ich nicht gerechnet hatte.

Besonders gut ist manchmal besonders hinderlich

Ich lerne gerne. In dieser Hinsicht bin ich ein wenig verwöhnt. Lernen ist nach dem Strength Finder Test eine meiner Stärken. Es fällt mir leicht und ich erwarte, dass ich Dinge schnell gut kann.

Dabei war ich noch nie geduldig mit mir. Mit anderen – kein Problem. Ich kann stundenlang zuhören, erklären und motivieren. Doch bei mir…

Geduld mit mir? – Geht gar nicht.

Das bedeutet, dass ich mich selbst unter Druck setze. Genau dann, wenn ich etwas besonders gut machen möchte.

 

Das Problem mit dem Wollen

Dann gab es dieses eine Jahr. Es war für mich eine echte Herausforderung.

Ich wollte „professionell“ und „seriös“ wirken. Ich habe mich neu ausgerichtet. Dazu habe ich intensiv an mir, meiner Botschaft und meiner Außenwirkung gearbeitet.

Doch die getroffenen Entscheidungen waren für mich nicht richtig. Alles war soweit gut, aber eben nicht für mich. Ich war in die Eigentlich-Falle getappt. Eigentlich war ich auf einem guten Weg. Nur nicht mehr auf meinem.

Erst nach Monaten wurde mir das klar. Diese Erkenntnis war schmerzhaft und beängstigend. Ich legte zwangsweise eine Vollbremsung ein. Ich konnte nicht mehr. Ich fühlte mich leer und ohne Worte. Mitten in der Schreibblockade.

Ich war also mit Vollgas gegen die Wand gelaufen und total verunsichert.

 

Die Schreibblockade

In dieser Situation habe ich den erwähnten Schreibkurs belegt. Eher zufällig, denn ich hatte bei einem Wettbewerb mitgemacht, den zweiten Platz und damit 50% Rabatt gewonnen. Diese Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Ich wollte ja schreiben. Und ich wollte gute Artikel schreiben. Artikel, die dir einen Mehrwert bringen, die dich unterhalten, inspirieren oder dir einen neuen Impuls geben.

Ich wollte phantastische Artikel schreiben, die du gerne teilst. Ich gebe es zu, heimlich träume ich von Ruhm und Anerkennung.

Ich wollte perfekte Artikel schreiben.

Das Ergebnis:
Ich schrieb gar nicht mehr.

 

Ich hatte zu große Angst. Wie sollte ich jemals was zu Papier bringen, das meiner Vorstellung von einem guten Artikel genügt?

Dabei war meine Vorstellung, dass du mehr brauchst, als ich dir geben kann. Ich war davon überzeugt, dass ich nicht gut genug bin und meine Texte schon gar nicht.

Bei mir hat es sich als Schreibblockade gezeigt. Andere leiden unter einer eigenen Form von Aufschieberitis oder Perfektionismus.

 

Barbara Sher hat mal folgende Frage gestellt:

Stell dir vor, vor deiner Tür sitzt ein hungerndes Kind. Würdest du ihm nichts zu essen geben, weil du nicht gut genug kochen kannst?

Bitte entschuldige, falls ich dich habe hungern lassen.

 

 

Meine Wahrheit über Schreibblockaden …

Ich bin mit keinem Menschen so streng wie mit mir selbst. Und mein größter Feind sitzt meistens zwischen meinen Ohren. Es sind die Stimmen der Angst und des Zweifels, die jeden anderen Gedanken übertönen.

Nochmal: Es ist Angst.

 

Ich habe vor vielen Dingen Angst. Ich tue oft sehr mutig. Doch in Wirklichkeit ist in mir ein kleines, schüchternes Mädchen, das sich nach Liebe sehnt. Und manchmal äußert sich diese Sehnsucht darin, etwas besonders gut machen zu wollen.

Dahinter steckt der heimliche Wunsch zu gefallen.

Wenn ich mir erlaube, einfach nur ich selbst zu sein, verschwindet diese Angst.

» Ich darf darauf vertrauen, dass es genügend Menschen gibt, die mich und meine Texte schätzen.

» Ich darf darauf vertrauen, dass ich was zu geben habe.

Wenn es nur einem einzigen Menschen hilft, zu lesen, was ich zu sagen habe, habe ich schon alles erreicht. Dieser eine Mensch darf auch ich selbst sein. Noch schöner wäre es jedoch, wenn du es bist!

» Ich darf darauf vertrauen, dass ich gut genug bin.

Meine Texte sind nicht für alle und jeden. Und auch das ist völlig in Ordnung. Nicht jeder muss mich mögen. Freiheit ist ein wichtiger Wert für mich. Dazu gehört die Freiheit, meine Texte doof zu finden.

 

Die meisten Dinge wurden schon gemacht. Aber sie wurden noch nicht von DIR gemacht. | Elizabeth Gilbert Tweet mich

 

… und was ich daraus gelernt habe

Wie anfangs erwähnt, geht es nicht nur um Schreibblockaden. Es geht um alle unerwünschten Folgen, wenn wir etwas besonders gut machen möchten.

Hier sind meine Erkenntnisse.

1. Ich darf Dinge schlecht machen

Auch wenn die ganze Welt einen perfekten Text (oder was auch immer) erwartet, ich muss diese Erwartungen nicht erfüllen. Ich muss nicht mal meine eigenen Erwartungen erfüllen. Die Welt geht nicht unter, nur weil ich mal einen mittelmäßigen oder sogar schlechten Artikel veröffentliche.

2. Keine zwei Meinungen sind gleich

Das, was wir tun, wird niemals objektiv betrachtet. Es wird immer Leute geben, die es gut finden und Leute, denen es nicht gefällt. Aber immerhin ist etwas Neues entstanden – andere reden oft nur darüber.

3. Du wirst niemals allen gefallen und das ist gut so

Dazu nur das denglische Zitat von Franz Josef Strauß:
„Everybody’s Darling is everybody’s Depp.“
(Ich möchte kein Depp sein.)

4. Höre auf, dein schlimmster Kritiker zu sein

Ich habe schon an anderer Stelle darüber geschrieben, wie gefährlich Perfektionismus ist. Und wenn du selbst dein schlimmster Kritiker bist, dann mach mal bewusst Dinge schlecht.
Die größte Kunst ist, über sich selbst lachen zu können.

5. Einfach machen

Ich finde es besser, wenn etwas nicht perfekt getan wird als gar nicht. Fast alles kann später noch verbessert und überarbeitet werden. Falls es dir dann noch so wichtig ist.
Meine Erfahrung zeigt jedoch, dass es nach kurzer Zeit seine Wichtigkeit verliert.

 

Tschüß, Schreibblockaden!

 

Bonus:

Ich schreibe wirklich gerne. Ja, ich hoffe, ich schreibe so, dass ich gerne gelesen werde.
Doch was mir wirklich wichtig ist, ist meine Botschaft in die Welt zu bringen. Wichtiger als einen perfekten Text zu schreiben…

Und auf Blockaden in meinem Kopf kann ich dabei herzlich gerne verzichten.

 


 

Noch mehr als sonst, würde ich mich über einen Kommentar von dir freuen.
Was meinst du zu meinen Erkenntnissen? Hast du schon ähnliche Erfahrungen gemacht?

 

 
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Astrid von Weittenhiller
Life-Coach für AbenteuerInnen

 

 

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  • Liebe Astrid – ein toller Beitrag. Ich mag deine offene und ehrliche Art. Sie inspiriert andere sich ebenfalls so zu zeigen, wie sie sind.
    Die starke Tendenz zum Perfektionismus kenne ich nur zu gut. Sie hat mich schon des Öfteren stundenlang an ein und demselben ‚Ding‘ arbeiten lassen.
    Elisabeth Gilbert hat es mal ganz treffend formuliert: „Perfectionism is fear in high heels.“ Oder so ähnlich. Eine gut gekleidete Form von Angst.
    ‚Einfach machen‘ wird mein neues Motto!
    Danke für den Beitrag.
    Alles Liebe aus Neuseeland
    Jessica

    • Astrid von Weittenhiller sagt:

      Liebe Jessica,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar.
      Ich fand mich selbst lange Zeit eher langweilig und unspektakulär. Alle anderen waren so viel aufregender.
      Doch wer den Drang zur Abenteurerin in sich spürt, kann gar nicht langweilig sein. Wir dürfen nur unser Selbstbild anpassen.
      Das geht für mich, in dem ich so gut ich kann ‚ICH‘ bin 🙂
      Dass diese Erlaubnis inspiriert, freut mich ganz besonders.
      Sonnige Grüße ins spätsommerliche Neuseeland -Astrid

  • Ulrich sagt:

    Dies ist ein Test,
    nachdem mein vorangegangener Kommentar in den endlosen Weiten des Internets verloren gegangen ist. 🙂

    • Astrid von Weittenhiller sagt:

      Hallo Ulrich,
      dein Test hat geklappt 😉 Jetzt bin ich schon gespannt, was du mir mitteilen wolltest.
      Liebe Grüße -Astrid

    • Ulrich sagt:

      Liebe Astrid,
      ich hatte geschrieben dass mich dein Text berührt hat.
      Auch ich habe perfektionistische Tendenzen mit denen ich mich schnell selbst unter Druck setze.
      Auf der anderen Seite macht es mir einfach auch Spaß Dinge wirklich gut und – nahezu – perfekt zu machen, auch wenn das zeitliche Invest oft in keinem angemessenen Verhältnis zur Wirkung steht.
      Aber „quick and dirty“ ist mir halt ein Graus …, und deshalb habe ich wohl auch keine Karriere gemacht. 🙂
      Manchmal stehe ich mir in meinem Bemühen, mich mit vermeindlicher Perfektion unangreifbar zu machen, aber tatsächlich selbst im Wege.
      Und da kommen deine 5 Tips oder Erkenntnisse gerade rechtzeitig!

      Liebe Grüße
      Ulrich

    • Astrid von Weittenhiller sagt:

      Lieber Ulrich,
      ich denke, es ist ein schmaler Grad.
      Auf der einen Seite möchte viele von uns die Dinge wirklich gut erledigen. Es ist ja auch schön, wenn wir auf uns selbst stolz sind.
      Auf der anderen Seite: Was soll’s.

      Ich glaube nicht, dass du alles mit dieser Leidenschaft angehst. Es sind sicher Sachen dabei, die auch für dich mit 80% gut genug sind.
      Mir hilft es, wenn ich beobachte, was das ist. Ich sollte mir mal überlegen, ob ich mir ein Sternchen vergebe, wenn ich wieder eine Aufgabe zu 80% erledigt habe. Zum Beispiel nach dem nächsten Mal staubsaugen 😉

      Danke für die tolle Ergänzung. Und danke für deine Worte.
      Gerade habe ich mein Vorhaben wahr gemacht und einen Ordner mit positiven Kommentaren für dunkle Stunden angelegt. Dein Kommentar ist auf jeden Fall dabei. 😀

      Sonnige Grüße -Astrid

  • „Ich darf darauf vertrauen, dass ich gut genug bin.“ Danke dir für deinen Beitrag, liebe Astrid! Es ist so gut zu wissen, dass ich mit meinem Perfektionismus nicht alleine bin 😉

    Herzliche Grüße aus Frankfurt
    Petra

    • Astrid von Weittenhiller sagt:

      Liebe Petra,
      ich hatte mich schon sehr darüber gefreut, dass du das Zitat getwittert hast.
      Heute habe ich ein passendes Zitat von Denise Duffield-Thomas gehört: „Perfektionismus ist Selbsthass in Verkleidung.“
      Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, ob ich das genau so empfinde. Es ist auf jeden Fall ein guter Gedankenanstoß.
      Sonnige Grüße -Astrid

  • Liebe Astrid,

    Eine echte Schreibblockade hatte ich zum Glück noch nicht – zumindest keine, die ich nicht am selben Tag mit enormem Energieaufwand und Widerständen löste 😉

    Aber eines stimmt: Perfektionismus lähmt, auf jeden Fall in der Entwurfsphase. Bei der Rohfassung eines Romans kann ich mir Perfektionismus überhaupt nicht leisten, an die erste Überarbeitung gehe ich bereits sehr kritisch und mit hohen Ansprüchen ran, und diese Ansprüche steigen mit jedem Bearbeitungsdurchgang. Das bin ich meinen Lesern einfach schuldig!

    Aber …!

    Perfekt wird ein Text nie, und das muss man auch als Profischreiber akzeptieren. Ohne den Mut zur Lücke, ohne die Entscheidung, einen Roman oder Blogbeitrag auch mal abzuschließen, kann man nicht veröffentlichen. Und das wäre doch echt schade für die Leser, die in einem 99 % perfekten Text genussvoll versinken 🙂

    Liebe Grüße
    Barbara

    PS: Dass du wirklich gerne schreibst, merkt man deinen Texten an – und das spüren auch deine Leser 🙂

    • Astrid von Weittenhiller sagt:

      Liebe Barbara,
      wieder einmal schenkst du mir einen Kommentar voller wertvoller Einsichten.
      Ich liebe es, wie deine Gedanken alle unterstützen. Und für dein PS bin ich dir sehr dankbar. Das ist Balsam in meiner Umbruchphase.
      Sonnige Grüße und bis bald
      -Astrid

  • Danke, Helma für dein Facebook-Like 🙂

  • Ralf sagt:

    Hallo Astrid,

    ich hatte eine starke Schreibblockade und den Grund neben meinem Perfektionismus erkläre ich Dir hier für mehrere Sinne. Podcast war gestern. Screencast ist die Zukunft! 🙂 https://www.dropbox.com/s/74p3jbso8ju8us4/20160302_aw.mp4?dl=0

    • Astrid von Weittenhiller sagt:

      Hallo Ralf,
      vielen Dank für deinen Kommentar und deine netten Worte im Video. Ich weiß, dass du dir mit dem Lesen schwer tust. Daher freue ich mich ungemein, dass du meine Texte liest. Mit Videos lasse ich mir noch Zeit. Schrittchen für Schrittchen – und das steht im Moment nicht an 🙂
      Weiterhin alles Gute!
      Sonnige Grüße -Astrid

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