So bekommst du deine Nervosität in den Griff

Nervosität: Lampenfieber ist die Angst, sich nicht ins beste Licht zu rücken. Almut Adler • Design by Astrid von Weittenhiller

​Jeder leidet mal an Nervosität. Das hat viele unterschiedliche Gründe. Und es gibt noch viel mehr Erklärungen. Doch wenn wir nervös sind, nutzt uns reines Wissen gar nichts. Die Frage ist, was können tun?

​Vor einiger Zeit bot sich mir eine ganz besondere Gelegenheit. Ich war zu einem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden eines internationalen Konzerns eingeladen.

Eine Stunde lang konnten vier andere Teilnehmer und ich Fragen stellen und plaudern. Ich wollte zumindest plaudern und den Menschen kennenlernen. Die anderen waren viel businessmäßiger unterwegs. Sie brachten ganz bestimmte berufliche Fragen mit.

Natürlich war ich auch vorbereitet. Aber mir ging es nicht um eine Karriere. Ich wollte den Menschen hinter den Pressemitteilungen erleben.

Doch während des Termins wurde ich immer nervöser. Und als ich schließlich dran war, hatte ich eine piepsige Stimme und meine Hände zitterten.
Ich hätte ein Königreich dafür gegeben, um wieder souverän und gelassen zu sein.

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​Ich kenne Lampenfieber leider nur zu gut. Daher suche ich immer nach Lösungen, Strategien und Wegen, wie ich besser mit Nervosität klarkomme.

Und heute möchte ich dir eine Lösung vorstellen, die mir inzwischen schon ein paar Mal geholfen hat.

​Was passiert bei Nervosität

​Wenn wir große Nervosität oder Lampenfieber spüren, passiert etwas sehr Eigenartiges.

Der österreichische Arzt und Psychologe Alfred Adler (1870-1937) hat es so beschrieben:

Das Gefühl des schwachen Punktes beherrscht den Nervösen so sehr, dass er, ohne es zu merken, den schützenden Überbau mit Anspannung aller Kräfte bewerkstelligt.

​@ ​Alfred Adler

​Das ist ganz schön sperrig und schwer zu verstehen.
Also nochmal auf Deutsch:

​Bei Unsicherheit beginnt sich der Körper zu verkrampfen.

​Der Kopf wird leer. Das Herz pumpt schneller. Der Körper produziert Adrenalin und bereitet sich vor.

Wir verlieren die Verbindung zwischen unserem Körper und unserem Verstand.
Manche fühlen sich im Kopf gefangen. Anderen ist gar nicht mehr bewusst, was sie tun.

Unsere weit entfernten Vorfahren hätten jetzt die Flucht ergriffen.

Wir zivilisierten, vernünftigen Menschen tun das nicht mehr. Wir müssen dableiben und die Situation aushalten.
Nur steckt der Fluchtreflex noch immer in uns.

Wir wollen weg und können nicht. Und wir werden immer angespannter und nervöser.

Nervosität ist eine Leidenschaft, die sich nicht jeder leisten kann. Wilhelm Schlichting • Design by Astrid von Weittenhiller

​Redeangst - schlimmer als alles andere

​Die Angst vor öffentlichen Vorträgen oder Auftritten, die Redeangst, hat sogar einen wissenschaftlichen Namen: Logophobie.
Nur, falls du das mal im Quizduell oder bei einem Rätsel brauchst.

Redeangst ist eine der extremsten Formen von Nervosität.
Bei Umfragen finden die meisten Vorträge oder auch nur Wortmeldungen schlimmer als alles andere. Manche würden (angeblich) sogar lieber sterben.

Wenn das Problem so verbreitet ist, muss es doch Lösungen geben.

​Was Schauspieler tun

​Das Problem trifft besonders Menschen, die immer wieder vor anderen sprechen müssen. Daher habe ich mich auf die Suche nach Tipps für Schauspieler gemacht.

Bei meiner Recherche bin ich auf ein Interview mit Josh Pais gestolpert.

Josh Pais ist ein US-amerikanischer Actor und Schauspiellehrer. Dadurch hat er selbst Erfahrungen mit Lampenfieber. Vor allem aber hat er unglaublich vielen Künstlern bei ihrer Nervosität geholfen.

Das Interview ist leider nicht mehr online verfügbar. Doch auf der Seite Committed Impule findest du einige Infos über ihn. Oder du schaust dir an, was er bei Marie Forleo erzählt:


Das Interview ist in Englisch und beantwortet die Frage einer jungen Frau, die unter Schüchternheit und Redeangst leidet.

Von Josh Pais stammt auch eine einfache Praxis, die er als eine seiner Lieblingsübungen beschriebt.

Die Übung ist perfekt in ihrer Einfachheit, um sofort mit Nervosität klar zukommen.
Und sie funktioniert, egal ob wir besonders gut sein wollen oder warum auch immer wir nicht mehr in unserer Mitte sind.

​Feiglinge sterben oftmals vor ihrem Ableben. Der Tapfere kostet einmal nur den Tod. @WilliamShakespeare

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​5 Sekunden gegen Nervosität

​Die einzelnen Schritte sind super simpel und dauern nur 5 Sekunden, wenn du sie etwas geübt hast.

Die Schritte sind:

  1. Atme tief ein.
  2. Atme langsam und bewusst aus.
  3. Spüre bewusst deinen Körper.
  4. Schau an, was vor dir ist.
  5. Sage laut: „Ich bin wieder da.“

Das war’s.

Warum es funktioniert

​Ich habe die 5 Schritte inzwischen schon ein paar Mal erfolgreich ausprobiert.

Das Wichtigste ist, dass man sie immer wieder bewusst übt. Sonst kann es passieren, dass man nicht dran denkt, wenn man mitten im Stress steckt.

Ich habe mir angewöhnt, dass ich jedem Finger meiner rechten Hand einen Schritt zuordne.

Der Daumen bedeutet einatmen.
Der Zeigefinger ist länger und bedeutet langsam ausatmen.
Der Mittelfinger steht dafür, dass ich meinen Körper spüre.
Dann blicke ich auf den Ringfinger und auf das, was vor mir ist.
Und der kleine Finger will auch beachtet werden und sagt: “Ich bin wieder da.”

Doch auch ohne Übung und Eselsbrücke funktioniert die Übung gut.

  • Die Übung ist einfach.
    Sie ist so einfach, dass du dich auch in stressigen Situationen daran erinnern kannst.

  • Atmen ist normal.
    Wenn du merkst, dass die Nervosität dich überwältigt, ist tiefes Einatmen eine natürliche Reaktion und seit langem bewährt. Daher fällt dir der erste Schritt leicht.

  • Die Schritte bauen aufeinander auf.
    Wenn du dich an den ersten Schritt erinnerst, fallen dir auch die weiteren Schritte leichter ein.

  • Es ist eine natürliche Bewegung.
    Du möchtest dich wieder mit deinem Körper verbinden und ihn bewusst spüren. Durch die Atembewegung gelingt das leichter.

  • Deine Augen sind ein Tor nach außen.
    Durch den Fokus auf das, was du siehst, öffnest du bewusst das Tor zur Welt für einen Spalt.

  • Du gibst einen Impuls.
    Mit dem laut ausgesprochenen Satz „Ich bin wieder da.“ setzt du einen klaren Impuls. Der hilft dir, die Tür ganz zu öffnen.

  • Du übst Gelassenheit und verlierst die Angst.
    Mit der Zeit lernst du bewusst die Gefühle kennen, die dich erst in die Nervosität bringen. Wenn du diese Gefühle annehmen kannst, entwickelst du eine Art Toleranz. Dadurch stressen sie dich weniger.

Nervosität: Die größte Gefahr im Leben ist, dass man zu vorsichtig wird. Alfred Adler • Design by Astrid von Weittenhiller

​Noch ein Tipp

​Als ich die Übung zum ersten Mal kennengelernt hatte, war ich sehr skeptisch. Vor allem der den letzten Schritt mochte ich nicht.

Meine spontane Frage war:
Muss ich das wirklich laut sagen? Ist es nicht furchtbar peinlich?

Tatsächlich ist es weniger peinlich als ich dachte.
Doch du musst es nicht unbedingt laut sagen.
Du kannst es auch ganz leise flüstern. Oder auch nur laut denken.

Aber wer weiß. Vielleicht bringt es dich zum Lachen.
Und Lachen ist Balsam für die Seele.

Jedes Mal, wenn wir über uns selbst lachen können, nehmen wir ganz viel Stress aus unserem Leben. Wir brauchen dann nicht mehr perfekt oder super zu sein. Wir lösen innere Verspannungen und erlauben uns Leichtigkeit.

Resümee

​Jede Lösung, jede Idee nutzt nur was, wenn wir sie auch umsetzen.
Nur darüber lesen bringt gar nichts.

Gehörst du zu den vielen Menschen, die Lampenfieber oder Redeangst haben?
Dann kennst du jetzt eine effektive und einfache Übung, die dir hilft. Wenn du sie umsetzt.

Daher hier nochmal die 5 Schritte:

  • ​1. Atme tief ein.
  • ​2. Atme langsam und bewusst aus.
  • ​3. Spüre bewusst deinen Körper.
  • ​4. Schau an, was vor dir ist.
  • ​5. Sage laut: „Ich bin wieder da.“

​So schaffst du es, raus aus deiner inneren Anspannung zu kommen.​
Und du kannst wieder die Welt um dich so sehen, wie sie ist: Als einen Ort voller Menschen, denen es genauso geht wie dir.


​Bitte präge dir die Schritte gut ein, damit du sie verinnerlicht hast, wenn du sie brauchst.

Und dann berichte hier bitte von deinen Erfahrungen.
Damit machst du den anderen AbenteuerInnen Mut und gehst als gutes Beispiel voran.

 
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Astrid von Weittenhiller
Life-Coach für AbenteuerInnen

 

 

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  • Eva Novotny sagt:

    let`s go for it!
    klingt nach einem einfachen und leicht umsetzbaren Konzept
    ich kannte bisher nur das 3malige tiefe Einatmen (plus Ausatmen) um den Puls zu reduzieren und wieder in Fluss zu kommen
    hat mir aber bei meiner 180 Grad Drehung mit dem Auto auf Schneefahrbahn bergab auch nicht das Zittern aus den Knien genommen :D

    • Lifecatcher sagt:

      Danke Eva!
      Das mit den tiefen Atemzügen scheint bereits weit bekannt zu sein. Daher habe ich auch das mit Körperspüren verknüpft. Ob diese Übung allerdings auch bei solchen Autostunts hilft, weiß ich nicht ;-) Aber bewusst hinschauen, kann in dieser Situation sicher nicht schaden…
      Herzliche Grüße -Astrid

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