Scanner, Vielseitige und Multipotentials

Interessen von Scannern - eine Auswahl • gestaltet von Astrid Weittenhiller

Die 5 wichtigsten Dinge, die du über Scanner wissen solltest

In unserer hochspezialisierten Welt, in der Fachleute über alles geschätzt und bewundert werden, haben es Multipotentials bzw. Scanner sehr schwer, ihren Platz zu finden. Den Begriff Scanner hat die Karriereberaterin Barbara Sher bereits 1994 für besonders vielseitig interessierte Menschen eingeführt.*

Es handelt sich dabei um Menschen, die wie eine Honigbiene von Thema zu Thema fliegen, sich für eine gewisse Zeit damit beschäftigen, um sich dann mit großer Freude auf das nächste Gebiet stürzen. Es ist ihr Naturell, dass sie begeisterungsfähig sind. Doch genauso schnell wie sie sich für ein Thema entflammen, kann das Interesse wieder verfliegen. Sie haben dann den Nektar, den sie wollten, aufgesogen und verlieren den Spaß an dieser einen Sache. Schließlich gibt es so viele großartige und wundervolle Dinge zu entdecken.

Gehörst du auch zu dieser Gruppe? Dann lies die folgenden Punkte besonders aufmerksam durch. Du wirst feststellen, dass nichts an dir „falsch“ ist. Alle anderen Leserinnen und Leser profitieren davon, indem du ein besseres Verständnis für Scanner entwickeln kannst. Und wie du vielleicht schon festgestellt hast, ist es mir ein großes Anliegen, mehr Verständnis und Respekt für dich selbst und vor Andersartigkeit zu vermitteln.

Interessen von Scannern - eine Auswahl • gestaltet von Astrid Weittenhiller

Interessen von Scannern – eine kleine Auswahl :-)

 

1. Universalgenies

Es war nicht immer so, dass vielseitig interessierte Menschen für sprunghaft oder oberflächlich gehalten wurden. In früheren Zeiten waren sie angesehene Mitglieder der Gesellschaft.

Heute sagt man „Hans Dampf in allen Gassen“ und denkt, dass sie/er ja nichts so ganz richtig kann.
Früher dachte man an ein Universalgenie und hat gar nicht erwartet, dass jedes Detail bis ins Letzte beherrscht wird. Man hatte ja auch noch gar keine Ahnung, wo es enden könnte. Heute glaubt man oft, dass ein Gebiet erst dann erforscht ist, wenn man es als Laie nicht mehr begreift.

In unserer Sprache verwenden wir noch immer den Begriff des Renaissancemenschen. Wir denken an Galileo Galilei, Leonardo da Vinci und Petrarca. An Menschen, die sich mit unterschiedlichen Themen beschäftigt haben und sich nicht auf ein Fachgebiet reduzieren ließen. Und oft genug schwingt so etwas wie Bewunderung mit.

Ob Goethe auch ein Scanner war, weiß ich nicht, aber wenn ich mir anschaue, über welches umfangreiche Wissen er verfügte, dann würde es mich nicht wundern. Denn die Freude am Lernen, am Erwerben von Wissen, ist eine Leidenschaft, die viele Scanner teilen.
Wie wäre es, wenn du dich als Teil dieser Tradition siehst?

 

2. Der Süßigkeitenladen

Stell dir vor, du wärst ein kleines Kind und dürftest dir in einem Süßigkeitenladen nehmen, was und so viel du wolltest. Als Scanner könnte es sein, dass du verhungerst, weil du vor lauter Möglichkeiten nicht weißt, was du zuerst nehmen sollst.
Gut, dass wir keine kleinen Kinder mehr sind. Oder?

Unsere Welt bietet so viele Möglichkeiten, dass es vielen von uns schwer fällt, sich nur für eine Sache zu entscheiden. Das führt manchmal dazu, dass wir blockiert sind und gar nichts tun. Oder wie soll man sich an einer Wegkreuzung mit 100 Abzweigungen entscheiden, die alle gleich interessant aussehen? Denn so erscheint vielen Scannern die Welt.

Gleichzeitig haben sie das Gefühl, wenn sie sich für einen Weg entscheiden, können sie niemals wieder einen der anderen gehen. Diese Optionen sind für immer verloren. Denn Scanner leben viel mehr im Hier und Jetzt als viele andere Menschen.

Es gibt aber Lösungen für dieses Dilemma!
Um den Rahmen dieses Artikels nicht zu sprengen, beschreibe ich nur kurz eine mögliche Strategie: Schreibe dir alles auf, was du gerne tun möchtest. Gestatte jedem dieser Projekte eine bestimmte Zeit in deinem Leben einzunehmen. Mache zum Beispiel aus allen Themen Drei-Monats-Projekte. In dieser Zeit widmest du deine freie Zeit ausschließlich diesem Thema.
Bastle dir einen Kalender für vier Jahre und teile jedes Jahr in vier Quartale. So kannst du bis zu 16 Projekte realisieren. Das ist doch schon mal was!
Wenn du darüber mehr wissen möchten, melde dich bitte bei mir.

Süßigkeiten • Foto von PublicDomainPictures @ pixabay.com

Süßigkeiten • Foto von PublicDomainPictures @  pixabay.com

 

3. Scanner brauchen Struktur

Albert Einstein hatte jahrelang einen wenig aufregenden Job beim Patentamt. Es heißt, dass er diese relativ langweilige aber strukturierte Umgebung brauchte, um seinen schnellen Geist eine Ordnung zu geben.

Gönne deinem regen Verstand Ruhepausen. Scanner sind oft „schnelldrehend“ und das kann sehr auszehrend sein. Die Euphorie wechselt sich mit Erschöpfungsphasen ab. Entweder kannest du das einfach akzeptieren und es ist für dich völlig in Ordnung, oder du schaffst Dir eine tägliche Routine, die dir die notwendige geistige Entspannung ermöglicht.

Im Sport wachsen die Muskeln während der Ruhephasen zwischen zwei Trainigseinheiten. Die Muskeln werden zunächst angeregt und etwas mehr belastet als sonst. Doch erst wenn die Muskeln zur Ruhe kommen und nicht besonders beansprucht werden, wächst ihre Masse.

Gute Ruhephasen für Scanner sind Routinearbeiten wie den Haushalt in Ordnung bringen, sortieren und ordnen oder Ausdauersport, Meditationen, Yoga und ähnliches. Konzentriere dich bewusst regelmäßig auf etwas „Langweiliges“, damit du nicht ausbrennst.
So paradox es klingt, Langeweile und Struktur fördern Deine Kreativität!

 

4. Ein Projekt zu Ende, wenn es zu Ende ist

„Aufgeben tut man nur einen Brief!“ (Familienweisheit)

Wenn du auch mit diesem Glaubenssatz aufgewachsen bist, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, ihn kritisch zu hinterfragen.

Hast du schon einmal ein Buch begonnen und dann weg gelegt? Wie ging es dir dabei? Hattest du ein schlechtes Gewissen? Hast du dir fest vorgenommen, es irgendwann einmal zu Ende zu lesen? Und hast du es später noch getan?

Als Scanner kann es dir mit vielen Projekten so ergehen, dass du immer denkst, irgendwann…
Aber irgendwann kommt nie und die angefangenen Projekte liegen drohend herum und werden immer mehr.

Bestimme selbst, wann ein Projekt zu Ende ist! Mache eine Party und feiere den erfolgreichen Abschluss. Wenn du den Platz dazu hast, gib alles in einen Karton, was zu dem (für dich!) fertigen Projekt gehört. Mit einer Schleife drum herum und einer kurzen Beschreibung des Projekts bekommt es einen Ehrenplatz in einem Kellerregal.
Du bist nur einem einzigen Menschen gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet: DIR SELBST!

Lass doch einfach zu, dass die anderen mit dem Kopf schütteln und denken, das war doch Zeit- und Geldverschwendung. Die entscheidende Frage ist: „Hatte ich Spaß dabei? Hat es mir selbst etwas (egal was) gebracht?“ Dann war es ein erfolgreiches Projekt, das gefeiert werden kann!

Folge nicht deiner Leidenschaft, folge deiner Neugier! #ElizabethGilbert Tweet mich

5. Die Essenz

Jeder Scanner hat etwas, das ihn antreibt. Eine Essenz, die in jedem seiner Interessen vorhanden ist. Wenn diese Essenz extrahiert wurde, endet meist der Spaß an dem Thema.
Falls du ein Scanner bist, überlege bitte, wann Du genug hast, wann Du Dich einem neuen Thema zuwendest. Was war es, das dich denken ließ, jetzt ist die Spannung vorbei?
Diesen Antrieb herauszufinden, ist sehr hilfreich und meist viel einfacher, als du jetzt vielleicht denkst. Er ist bei jedem anders und oft so selbstverständlich, dass wir ihn gerne übersehen.

Meine Essenz ist zum Beispiel Verständnis. Mir ist es wichtig, herauszufinden, wie etwas tickt – seien es technische Dinge oder menschliche Verhaltensweisen. Logisch, dass ich ein großer Fan von der Sendung mit der Maus bin!

Ich bin darauf gekommen, als mir klar wurde, dass ich immer Dinge erklären muss. Denn ich wollte, dass auch andere verstehen können.
Daher hoffe ich auch, dass jetzt dein Verständnis für Scanner gewachsen ist. Denn gegenseitiges Verständnis führt für mich zu Respekt und Wertschätzung und das ist der Honig, der aus meinem Nektar entstehen soll.

 

Herzlichen Dank für die Zeit, die du dir für das Lesen des Artikels genommen hast.
Bist du auch ein Scanner? Schreibe uns einen Kommentar mit deinen Erfahrungen.

Ich wünsche dir einen schönen Tag und

Pflücke Deine Träume

PS: Worauf wartest Du noch?

 

Gefällt dir das Titelfoto? Du findest alle Fotos auf Pinterest.

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  • Johannes sagt:

    Hallo Astrid,

    ich habe mich heute mal wieder durch das Internet gewühlt und bin auf diverse Scanner Beiträge gestoßen.
    Deinen Artikel zu lesen war für mich, als hieltest du einen Spiegel vor mein Gesicht.
    Bedauernderweise ist mein Problem nicht mein „Hobby“ oder mein „Wissensdurst“, was ich persönlich noch sehr angenehm finde, sondern meine Berufswahl.
    Ich bin 26 Jahre alt, habe eine Ausbildung in einem tollen Betrieb genossen, habe Abitur, bereits ein Studium angefangen und abgebrochen und stehe nun total ratlos da.
    Meine _verschiedenen_ Interessen machen mich schier wahnsinnig und ich habe das Gefühl, dass ich für keinen Job dieser Welt geschaffen bin, da ich „hier und da“ etwas direkt negativ empfinde, oder sofort in einem anderen Beruf das positive Gegenteil entdecke und somit den ersten Gedanken verwerfe. :(

    • Astrid von Weittenhiller sagt:

      Hallo Johannes,
      vielen Dank für deine netten Worte. Ich freue mich, dass du hier gelandet bist.
      Inzwischenauch schreibe ich nicht mehr so sehr für Scanner und wende mich mehr an Frauen. Dennoch gibt es hier sicher einige Beiträge, die dir weiterhelfen.
      Die Artikel zu Scannern findest du über diesen Link.
      Von Barbara Sher gibt es das empfehlenswerte Buch „Refuse to Chose“ (deutsche Version).
      Weiterhin viel Spaß auf meiner Seite und dir alles Gute!
      Sonnige Grüße -Astrid

  • Nicole sagt:

    Hallo Astrid,

    das bin ich, neugierig auf alles und jeden! Ständig an allem interessiert (ich google alles möglich, von den Gründen fürs Scheitern der Apollo-Mission bis zu der Definition mittelalterlicher Berufe), mache dauernd neue Pläne (eine Gans braten lernen, mit meinen Kindern eine Wiege für die Puppe bauen oder Musikstücke für den Kindergarten aufbereiten), von denen ich natürlich nur einen Bruchteil realisieren kann – allerdings mit anhaltendem Interesse. Es fällt mir schwer, etwas angefangenes oder auch nur einen einmal gefassten Plan wieder aufzugeben. Dadurch sammeln sich nicht nur ellenlange ToDo-Listen, sondern auch ziemlich viele Verpflichtungen an: ein Vollzeitjob in der Forschung, den ich liebe, mit zusätzlicher Tätigkeit in mehreren Gremien, Ehrenamt im Roten Kreuz und natürlich Partnerschaft und Familie.
    Wie kann ich den dadurch verursachten Stress nur reduzieren, ohne meine Neugier auf so Vieles zu ersticken?
    Dein Blog gibt mir einen guten Hinweis: ich bin eben so, dass ich mich für ganz viel interessiere – und ich bin nicht alleine damit! Ich kann andere Scanner nach Tipps fragen – oder danach googlen :).

    Danke für den Artikel – und Deinen Blog!
    Viele Grüße,
    Nicole

    • Lifecatcher sagt:

      Hallo Nicole,
      ich bin jedes Mal erneut glücklich, wenn jemand so begeistert von einem meiner Artikel ist! Vielen Dank für deine Offenheit und deinen Kommentar.
      Wie schön, dass du deine besondere Neugier annehmen kannst. Die Vielseitigkeit hat einen Namen und wir sind nicht alleine :-) Das waren für mich die wichtigsten Teile der Botschaft.
      Seit ein paar Monaten ist das Thema in der Netz-Community endlich richtig gut bekannt. Das finde ich großartig. Denn es nimmt meines Erachtens immens viel Druck.
      Herzliche Grüße von deiner Scanner-Kollegin -Astrid

  • Julia sagt:

    Schön, eine solche Seite entdeckt zu haben – ich selbst zähle mich zu den Scannern als auch Hochsensiblen.

    Die Überschrift meines eigenen Blogs spricht für sich ;-)
    https://hochsensibel1753.wordpress.com/herzlich-willkommen/

    Es wäre schön, euch in meinem Wohnzimmer begrüßen zu dürfen…

    Ganz liebe Grüße und weiter so auf diesem Blog,
    Julia

    • Lifecatcher sagt:

      Hochsensible Menschen, die auch sensibel mit ihren Mitmenschen umgehen, sind mir immer herzlich Willkommen! Schön, dass du hergefunden hast.

      Ich freue mich über einen weiteren Blog zum Thema Scanner – besonders, da ich nun nicht mehr explizit darüber schreiben werde.
      Die Kombination aus Vielseitigkeit und besonderer Sensibilität ist nach meiner Wahrnehmung noch nicht so sehr im allgemeinen Bewusstsein angekommen. Ich wünsche dir ganz viel Freude und viele Leser.

      Herzliche Grüße -Astrid

  • Bettina sagt:

    Hey Astrid,

    ein treffender Artikel
    mittlerweile bin ich schon des öfteren über den „Scanner“ gestoßen

    ich hatte immer schon das Thema, dass ich beinahe alles, was ich in Angriff nahm, gleich irgendwie (aber nie „gescheit“) konnte, und dann war ich zu faul, etwas wirklich gut zu lernen. ich kam auch in der Schule immer irgendwie durch

    derzeit bin ich in einer größeren Umorientierungsphase (und das mir Ü40), in der ich auch wieder einmal hunderte schöne und spannende Dinge ausgegraben habe und wo ich einmal Prioritäten setzen muss

    ich habe auch ein sehr gutes Buch gefunden über Zeitmanagement für kreative Chaoten, sehr hilfreich (und stellenweise sehr lustig! einfach zum zerkugeln!)

    lg Bettina

    • Lifecatcher sagt:

      Hallo Bettina,

      danke für deinen Kommentar. Ich freue mich, dass dir der Artikel gefällt!

      Mit der Neuorientierung als Ü40 bist du nicht alleine. Ganz im Gegenteil, immer mehr Frauen und Männer haben genug davon, lustlos und fremdbestimmt auf den Ruhestand zu warten. Für besonders vielseitige Menschen ist aber die Entscheidung oft ein schwieriges Thema. Wenn du über die Suchfunktion „Scanner“ eingibst, findest du vielleicht noch ein paar Anregungen dazu.
      Du kannst mir auch gerne schreiben, falls du auf besondere Schwierigkeiten stößt. Wenn ich weiß, was du brauchst, schreibe ich gerne einen Artikel dazu.

      Übrigens würde ich mich sehr freuen, wenn du uns den genauen Titel und Autor des Buches nennen magst. Das wäre bestimmt für viele von uns sehr hilfreich!

      Herzliche Grüße -Astrid

    • Bettina sagt:

      Hey Astrid, danke für deine Antwort

      ein wenig weiter in meiner Orientierung bin ich ja schon, ich habe schon einen Plan, allerdings muss ich trotzdem dafür einige „Hobbies“ hintanstellen, sonst wird es mir zu viel :-)

      den Buchtitel kann ich gerne verraten (ich verdiene nichts daran :-), das Buch hat mir schon sehr viele gute Ideen geliefert und der Schreibstil ist stellenweise so witzig – der Untertitel lautet auch „Zeitmanagement für kreative Chaoten“),
      es ist von Cordula Nussbaum, „Organisieren Sie noch oder leben Sie schon“

      lg Bettina

    • Lifecatcher sagt:

      Hallo Bettina,
      danke für den Buchtipp. Das klingt wirklich spannend!

      Ich drücke dir ganz fest die Daumen für deine Pläne.
      Es ist oft schwer einzusehen, dass nicht alles auf einmal geht. Da bist du schon einen großen Schritt weiter. Es so wichtig, dass wir immer gut auf uns aufpassen – vor allem, wenn gerade viel passiert.

      Wenn was ist, bin ich gerne für dich da!
      Herzliche Grüße -Astrid

  • Sabine sagt:

    Wow bis heute Morgen wusste ich nicht das es so viele gibt denen es genauso geht. Ich habe mir immer angehört, das ich nichts zu Ende bringe, sprich erfolgreich ein Ergebnis präsentiert habe. Nun kurz vor meinem 50-zigsten Geburtstag muss ich privat und beruflich noch einmal neu beginnen und hatte bisher das Gefühl da stimmt bei mir was nicht.

    Nun habe ich im Internet einiges darüber gefunden und der Weg hat mich dabei hierher geführt. Es ist ein echter Befreiungsschlag und löst den Knoten im Bauch. Weil ich mich nun akzeptieren kann wie ich bin.

    Danke für diese Website.

    • Lifecatcher sagt:

      Hallo Sabine,
      Kommentare wie Deiner machen mich glücklich. Danke!
      Wenn Du noch Fragen hast oder für Dich Klarheit finden möchtest, kannst Du mir gerne schreiben.
      Herzliche Grüße -Astrid

  • Karin sagt:

    Wow, hier finde ich mich wieder. Ja, ich bin auch ein Scanner, wobei mir das Wort „Multipassionierte“ von Arne noch besser gefällt. Denn ich bin auch für vieles zu begeistern und schnell zu entflammen. Vielleicht interessieren mich deshalb Kino, Theater oder Konzert nicht sonderlich, denn da muss man so lange still sitzen. Lieber gehe ich zum x-sten Mal ins Museum Mensch und Natur. Mich interessiert alles, was mir die weite Welt öffnet und auch den Wissensraum. Coursera.com finde ich deshalb ganz toll. Wobei ich oft schon damit zufrieden bin, mir etwas auf dem Computer abzuspeichern, für später mal anschauen, wenn ich Zeit dafür habe.
    Scanner sind oft auch Sammler von Wissen, wogegen ich am Ansammeln von Gegenständen kein Interesse habe. Ich gebe ständig Bücher weiter, oder leihe sie mir sowieso meist nur in der Bibliothek.
    So richtig Zeit, um mich in etwas zu vertiefen, nehme ich mir oft nicht, denn es gibt ja ständig Neues zu entdecken. Deshalb sehe ich diese Scanner-Neigung nicht als durchwegs positiv. Gerade bemühe ich mich, mehr an etwas dran zu bleiben, mich nicht so viel ablenken zu lassen durch all die interessanten Newsletter, Webseiten, Videos, Audios und und und. Im Computerzeitalter lebt man als Scanner gefährlich. Jetzt schreibe ich hier schon wieder eine Mail, statt an meiner Arbeit dran zu bleiben. ;-)

    • Lifecatcher sagt:

      Hallo Karin,
      danke für Deinen tollen Kommentar!

      Was Du beschreibst ist wirklich ganz typisch. Besonders gut gefällt mir:

      „Wobei ich oft schon damit zufrieden bin, mir etwas auf dem Computer abzuspeichern, für später mal anschauen, wenn ich Zeit dafür habe.“

      Ich nutze dafür seit einigen Monaten Pocket. Davor wurde meine Linkleiste einfach viel zu voll. Allerdings bewahrt es meine Leseliste nicht davor, ständig zu wachsen :-)
      Inzwischen lasse ich mich nicht mehr davon stressen. Ich habe erkannt, dass mich zwar viel, aber eben doch nicht alles interessiert. So banal es klingt, das ist eine Erleichterung.

      Herzliche Grüße -Astrid

  • Arne sagt:

    Die Erfindung des Internet war das Schlimmste, was mir passieren konnte. Hab gerade wieder mehr als 100 Tabs offen, kann sie aber nicht lesen, weil ich ja den Titel und damit das Thema schon kenne, und soviel Neues im Web noch wartet.
    Als ich dachte ich mache meine Site selber, nahm ich Drupal als CMS, da ich so viel Freiheit habe und alles umsetzen kann, was ich will. Damals war es noch toll, da übersichtlich im zu Lernenden, heute beschäftige ich mich mit TWIG (Templatesystem für das Aussehen, genauer dem Layout der Site), Omega4 (einem responsiblen Theme, das TWIG nutzen kann), SASS/Compass (eine Beschreibungssprache zur Erweiterung von CSS, d.h. Farben, Typographie, Layout, Animation,… der Site), Git (Versionierungssystem um meine Bastelitis mit der Site zumindest etwas unter Kontrolle zu haben), und und und, sowie Drupal natürlich, dem CMS an sich, wo es bald die Version 8 gibt. Alles aus dem Web gelernt.
    Und so Vieles gibt es aus dem psychologischen Bereich, und und und.
    Ich komm mir vor wie in einer Stadt, wo alle Häuser entweder ein Süßigkeitenladen oder Spielzeugladen oder Abenteuerhalle oder … sind. Ich weiß nicht mal welches Haus ich nehmen soll, geschweige denn, was von dem, das in dem Haus ist.
    So vieles zu lernen, so viel zu verstehen. Ich kann dich gut verstehen(!), mein Leben war bisher auch mit Themen-durchdringen und anderen meine (tolle) Erkenntnis vermitteln gefüllt.
    Wobei sich die euphorische Vermittlungsmanie gelegt hat, da ich doch ein wenig resigniere, ob der zahlreichen nicht verstehen wollenden Menschen. Aber wehe, jemand zeigt Interesse an einem meiner Gebiete ;-)
    Eine gute Auflistung der Eigenheiten von uns Multipassionierten. Auch die Ansätze für einen artgerechten Umgang mit uns selbst gefallen mir. Struktur im Tag und im Tun ist wichtig. Das habe ich früher einfach so gehabt bzw. gemacht (Blumengießen, Staubsaugen, … bzw. Schule, Uni), bevor ich erkannte „was“ ich bin. Hab die Struktur losgelassen nach meiner Erkenntnis und muss sie nun wieder mühevoll aufbauen, da ich die „Freiheit“ meiner Passionen zu sehr zu ließ.

    • Lifecatcher sagt:

      Hallo Arne,
      ich freue mich, dass Dir der Artikel gut gefällt.
      Ich finde es so wichtig, dass Scanner aus dieser „Ich bin falsch“-Haltung kommen und wir einen guten Umgang mit uns lernen. Und je klarer Scanner wissen, was sie brauchen, desto eher könnten auch die anderen damit umgehen. Das ist zumindest meine Erfahrung.
      Herzliche Grüße -Astrid

  • Sybille Johann sagt:

    Ich bin auch so eine, und habe jahrelang vor meinm Berg angefangener Projekte gestanden. Wenn ich eins begonnen habe, hatte ich schon die nächsten drei bis fünf im Kopf… Heute ist das mehr auf Bücher und Wissensanhäufung bezogen. Ich sehe oder höre was, bin begeistert, will mehr einsteigen und komme von einem ins andere, vom hundertsten ins tausendste. In den Augen Anderer heißt das „du fängst alles nur an…“. Aber hey, es gibt nun mal so viel Interessantes, soll ich das alles an mir vorbeiziehen lassen?

    • Lifecatcher sagt:

      Genau das ist es! Wie hast Du diese Einsicht bekommen?
      Eine Bekannte sagte mir „Hey, als ich 50 war, wurde es mir so langsam egal, was die anderen meinen.“ Das fand ich auch ganz spannend.

    • Eva sagt:

      Oh, wow, mir geht es exakt so wie Dir Sybille!
      Bücher und Wissensanhäufung – für das was mich alles interessiert und was ich noch alles lesen, lernen, wissen und erfahren will reichen wohl drei Leben nicht aus! Mittlerweile verbringe ich schon beinahe lieber mehr Zeit vor dem Computer oder stecke meine Nase in Büchern um zu lesen und lernen als soziale Kontakte zu knüpfen, und das, wo ich ein extrem kommunikativer und geselliger Mensch bin. Schon fast ambivalent, man fühlt sich oft zerrissen.

    • Lifecatcher sagt:

      Das schöne am Scanner-Sein ist, es gibt noch andere, denen es genau so geht wie uns. Als ich das einmal erkannt habe, fand ich es gar nicht mehr so schlimm :-)
      Bis dahin war es aber ein weiter Weg. Das Gefühl zerrissen zu sein zwischen all den Dingen, die ich gerne tue, war auch für mich lange eine große Herausforderung. Denn was Scanner oft vergessen: Es gibt auch ein Morgen, an dem all die spannenden Dinge noch da sind :-)
      Zumindest ich konnte das ganz lange Zeit nicht glauben.

  • Isa sagt:

    Ich habe bisher nur den ersten Punkt gelesen – der Bus ruft – aber: Danke, jetzt habe ich endlich eine Bezeichnung für mich. Mal schauen, wann sie mir zu langweilig wird ;-)

    • Lifecatcher sagt:

      Danke Isa! Wenn Dich die Bezeichnung langweilt und Du was Besseres gefunden hast, lass es mich wissen. Gerne auch, falls Du Dich entschließt, irgendwann mal selbst langweilig zu werden. Ich wäre neugierig, wie das funktioniert ;-)

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