Der Charme des OK-Job – Warum du deinen Job NICHT kündigen sollst

OK-Job bringt Freiheit • Foto by Astrid Weittenhiller

Suche dir einen OK-Job und mache in deiner restlichen Zeit, was dir wirklich Spaß macht.

In meinem Umfeld gibt es seit einiger Zeit einen großen Trend: Kündige deinen Job und mache dich selbständig; verlasse dein Hamsterrad. Dieser Rat ist für eine bestimmte Gruppe auch wichtig und richtig. Ich selbst bin auch gerade auf diesem Weg.

Dennoch ist meine Empfehlung oft das Gegenteil davon. Denn nicht jeder mag diese Form von Verantwortung und unternehmerischem Denken. Ganz abgesehen davon, gibt es auch gute Gründe angestellt zu bleiben.

Was ist ein OK-Job?

Ein OK-Job oder auch Gut-genug-Job ist eine Arbeit, die nicht deine Erfüllung ist, aber dir ein gutes Leben ermöglicht. Hier die wichtigsten Voraussetzungen.

  • Arbeitszeit
    Du arbeitest nicht zu viele Stunden am Tag bzw. in der Woche, so dass du noch genügend Freizeit für deine eigenen Interessen hast. Achte auch auf den Arbeitsweg. Auch der reduziert zum Teil deine freie Zeit.
  • Aufgaben
    Deine Aufgaben sind zwar nicht sehr aufregend und befriedigend, aber weder zu langweilig noch zu herausfordernd. Eben OK.
  • Soziales Umfeld
    Sowohl dein Vorgesetzter als auch deine Kollegen stressen dich nicht. Ab und zu ein nettes Pläuschchen und ein wohlwollendes Kopfnicken runden den Tag ab.
  • Arbeitsplatz
    Auch der Arbeitsplatz selbst ist in Ordnung für dich. Du wirst körperlich nicht überansprucht, weder was dein Leistungsvermögen, noch Lärm oder Temperatur betrifft.

Das einzige wirkliche Manko ist, dass es eben kein Traumjob ist. Du findest darin nicht deine Berufung, deinen Ruf, deine Erfüllung. Aber es stört dich auch nicht sonderlich, dort zu sein.

Warum ein Gut-genug-Job für dich das richtige sein kann

Wenn du aber doch unbedingt nach einem bedeutsamen Leben strebst. Wenn du so gerne etwas Sinnvolles machen möchtest. Wie kann ich dir dann empfehlen, das nicht möglichst den ganzen Tag zu tun? Widerspricht das nicht aller Logik?

Nein, tut es nicht. Denn aus einer kurzen Zeit voller Freude können wir sehr viel Befriedigung ziehen. Neulich habe ich gelesen, dass es reicht, nur 1-2 Stunden pro Tag etwas zu tun, was unser Herz erfreut, um nachhaltig zufrieden zu sein. Diese Zeit kannst du auch außerhalb des OK-Jobs für dich finden.

Hier noch drei weitere gute Gründe:

1. Du musst dich nicht festlegen

Auch wenn du dich selbständig machst, beschäftigst du dich mit einer Vielzahl von Dingen. Je nachdem wie du dein Business aufbaust, vereinst du etliche Berufe in einem. Aber für eine ganze Weile bist du doch auf ein Projekt festgelegt und musst dich auf eine gewinnbringende Strategie konzentrieren.

Solange du deine Projekte in deiner Freizeit verfolgst, hast du die Freiheit jederzeit ein neues Projekt zu starten. Du kannst ausprobieren, was dir Freude macht. Und wenn es nicht das eine ist, dann überlegst du dir einfach das nächste. Du kannst auch jedes Quartal ein neues Abenteuer beginnen. Mit deinen Projekten musst du nichts verdienen oder beweisen. Es geht nur darum, dass du für dich etwas Sinnvolles tust.
Dazu gehören übrigens auch die ganzen Ehrenämter, ohne denen zumindest in Deutschland das soziale Leben schon längst nicht mehr funktionieren würde. Herzlichen Dank an jeden, der sich hier engagiert.

2. Dein Hamsterrad beginnt im Kopf

Es ist egal, ob deine Vorgesetzten im Büro nebenan oder in deinem Kopf sitzen. Solange du deine innere Haltung, dein Muster nicht veränderst, bist du weiterhin im Hamsterrad – auch als Selbständige.
Es geht mir hier nicht um die Vor- und Nachteile davon selbständig bzw. angestellt zu sein. Ich möchte dich nur darauf hinweisen, dass viele den einen Käfig mit dem anderen austauschen. Die Freude an deiner Arbeit kann ganz leicht verschwinden, wenn dich die äußeren Umstände stressen, wenn finanzielle Fragen dich belasten und du dir Sorgen machst.

All das kann dazu führen, dass das in den Hintergrund tritt, was du doch gerne tun möchtest und dir Erfüllung bringt. Projekte in deiner Freizeit nehmen ganz viel von diesem Druck raus.

3. Nicht mit jeder Tätigkeit will und kann man Geld verdienen

Besonders mit kreativen Leidenschaften wie Dichten, Bildhauerei und Obertongesang ist es schwierig, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist. Aber es gehört neben der Qualität auch ein Quäntchen Glück dazu. Das Problem hier ist, dass viele Künstler dann einen Schaffenskrise haben, wenn sie zu viel Zeit haben oder zu viel finanziellen Druck spüren. Ein OK-Job beschäftigt oft die eine Gehirnhälfte, so dass die andere nach Herzenslust kreativ sein kann.

Dann gibt es noch Beschäftigungen, die du lieber verschenken als verkaufen magst. Von Barbara Sher gibt es das wundervolle Zitat: „Wenn du Sex liebst, sei keine Nutte.“

If you love sex, don't be a hooker. #BarbaraSher Tweet mich

 

Verlasse jeden toxischen Job so schnell es geht

Das Gegenteil vom OK-Job ist ein toxischer Job, der Gift für dich ist. Das ist ein Umfeld mit gemeinen Kollegen oder Vorgesetzten, mit vielen Arbeitsstunden und Aufgaben, die dir langfristig Energie rauben und wo du keine Anerkennung bekommst. Einen Job, der dich krank macht, solltest du so schnell wie möglich verlassen. Egal, was sonst jemand sagt, nur du kannst wissen, ob das auf deinen Job zutrifft. Ein „stell dich nicht an” bzw. „ist doch nicht so schlimm” ist spätestens nach einigen Wochen kein Argument mehr.

 

Nochmal, wenn du deinen Job kündigen und dich selbständig machen möchtest, ist das die eine Sache*. Wenn du kündigen möchtest, um vor etwas zu fliehen, eine ganz andere.
Wir nehmen uns immer selbst mit. Und solange du nicht deine innere Haltung änderst, besteht die große Gefahr, dass sich auch deine Zufriedenheit nicht wesentlich verändert.

Ich wünsche mir für dich, dass du ein Leben voller Freude und Erfüllung findest. Dein Herz weiß, was gut für dich ist. Lass auch dein Hirn dich unterstützen, so dass du wirklich innere Freiheit erlebst.

*: Möchtest du dich selbständig machen oder bist sogar gerade dabei? Dann kann ich dir Markus Cerenak mit seinem heutigen Artikel wärmstens empfehlen!

 

Herzlichen Dank für die Zeit, die du dir für diesen Artikel genommen hast. Wenn du deine Gedanken dazu mit uns teilen magst, hinterlasse bitte einen Kommentar.

Ich wünsche dir einen schönen Tag und

Pflücke Deine Träume

PS: Worauf wartest Du noch?

 

  • Nathalie sagt:

    Fantastisch – toller Artikel und spricht mir aus der Seele! Finde den Ok-Job super, solange er meine Bedürfnisse (finanziell und „Wohlfühl-Faktor“ auf der Arbeit) befriedigt, und ich dafür gaaaaanz viel Zeit für meine eigene Freizeit habe.

  • Suzanne sagt:

    Liebe Astrid,

    ich bin gerade eben erst auf Deinen Blog gestoßen und ich bin schon überzeugt. Das Thema „OK-Job“ finde ich sehr wichtig und von Dir äußerst treffend beschrieben.

    Meiner Meinung nach ist es für die persönliche Zufriedenheit wichtig, ein Arbeitsleben zu finden, das einfach zu einem passt. Das mag für die eine die Selbstständigkeit sein, für die nächste der angestellte Leidenschaftsjob, für die dritte eben der OK-Job und so weiter und so fort.

    Leider sehe ich in vielen Selbstverwirklichungsblogs einen starken Tenor von „Ausstieg aus dem Hamsterrad = Einstieg in die Selbstständigkeit“ – schön, dass Du hier mal eine tolle, andere Option darstellst!

    Danke Dir und viele Grüße
    Suzanne

    • Astrid von Weittenhiller sagt:

      Liebe Suzanne,

      vielen Dank für deine bestätigenden Worte.
      Ich lese selbst gerne Artikel zum Thema Selbstverwirklichung und empfinde genauso wie du. Dabei braucht doch jeder etwas Anderes für ein gutes, selbstbestimmtes Leben.

      Dafür möchte ich Mut machen. Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich meinen Beitrag dazu leisten kann.

      Sonnige Grüße -Astrid

  • Sabine sagt:

    Liebe Karin,

    ich habe zur Zeit einen OK Job für meine Begriffe. Ich bin Bürokauffrau. Da viele Firmen ihre Stellen durch Subunternehmer ersetzen hat das zu Folge, das die Arbeitsprozesse so optimiert sind das z.B. ein Kundenberater die schriftliche Bearbeitung an 7 Tagen von 6.00 – 0.00 Uhr erledigt. Das ganze mit Arbeitszeitkonto ergibt das es Zeiten gibt wo ich nur 6 Std. Schichten habe aber jetzt bis Jahresende aber 10 Std. Tage zuzüglich An-und Abfahrt und was man so zu tun hat. Da bleibt keine Zeit für irgendwas anderes, da aber fast alle Firmen inzwischen darauf umstellen um Kosten für das Personal zu sparen gibt es auch äusserst wenig alternativen, besonders mit fast 50.

    Liebe Grüsse
    Sabine

  • Karin Mager sagt:

    Liebe Astrid,
    OK-Job – was für ein netter Begriff! Ich kann deiner Argumentation für einen OK-Job gut folgen. Das hat was für sich. Als ich vor ca. 45 Jahren mit 16 eine Ausbildung in einem großen Verlag anfing, waren, so würde ich vermuten, solche Jobs eher die Regel. Ich erinnere mich, wie ca. 16.45 Uhr eine gewisse Hektik in den Waschräumen begann, weil alle ihr Kaffeegeschirr abwuschen. Um Punkt 17 Uhr standen wir alle bereit, mit dem Gong das Büro zu verlassen. Nur die Vorgesetzten blieben vielleicht etwas länger. Auch für einen Plausch und ausführliche Geburtstagsfeiern war immer genug Zeit da.

    Heute sind die Arbeitszeiten flexibler, doch die Erwartung, dass man länger bleibt und mit vollem Einsatz arbeitet, sind wohl auch höher. Viele meiner Freunde und Kursteilnehmer berichten von ihrem Arbeitsstress. Meine Freundin, obwohl keine Führungskraft, geht oft noch am Samstag oder Sonntag ins Büro, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten.
    Mein Mitbewohner kommt in der Regel abends gegen 22 Uhr, manchmal auch erst nach 24 Uhr aus der Unternehmensberatung nach Hause. Dabei macht er nur ein Praktikum und beginnt morgens um 9 Uhr.

    Mir fallen in meinem Freundeskreis nur zwei Personen ein, die einen OK-Job nach deinen Definitionen haben könnten. Der eine ist Beamter und arbeitet bloß 4 Tage die Woche bei sehr freier Zeiteinteilung. Die andere arbeitet halbtags und ist schon viele Jahre in der gleichen Anstellung. Da müsste ich aber noch nachfragen, ob sie wirklich zufrieden ist.

    Meine Idee: Mach doch mal eine Umfrage, wer meint, einen OK-Job zu haben, und wie zufrieden er/sie in diesem Job mit Verdienst und Aufstiegschancen ist. Das würde mich sehr interessieren.

  • Liebe Astrid,

    Ich finde deine Unterscheidung zwischen Ok-Job und toxischem Job sehr treffend, vor allem die Bezeichnung toxisch gefällt mir.
    Was ich allerdings zu bedenken gebe: Wenn man WIRKLICH selbstständig sein will, kann auch ein Ok-Job hemmen, weil man nie alles auf eine Karte setzt. Und Energien bündeln bringt einfach mehr Kraft. Wenn sich das ganze Denken auf das neue Projekt ausrichtet, hat das schon eine ganz besondere Qualität.

    Liebe Grüße
    Barbara

    • Lifecatcher sagt:

      Liebe Barbara,
      schön, dass dir die Begriffe und die Definitionen gefallen. Vielen Dank auch für deine Ergänzung.
      Ja, es gibt ganz viele Dinge, die einen hemmen können, wenn man etwas möchte. Nach meiner Erfahrung finden sich die meisten davon in einem selbst.
      Herzliche Grüße -Astrid

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