Lieber zum Zahnarzt als zum Friseur!

Lieber zum Zahnarzt als zum Friseur • Design by Astrid von Weittenhiller

Ist der Besuch beim Friseur eine Qual für dich? Ich fand dort den Weg zu einem selbstbestimmten Leben.

Jahrelang war es für mich eine Qual, zum Friseur zu gehen.

Warum?

Vor allem, weil ich mich danach nicht mehr erkannte.
Wenn ich vom Friseur kam, fühlte ich mich fremd, verkleidet, nicht ich selbst.

Sah ich mich zufällig in einem Spiegel, erschrak ich vor der unbekannten Frau.

 

Die Qual beim Friseur

Jeder Besuch in einem Salon dauerte eine gefühlte Ewigkeit.

Ich hatte nie eine besonders aufwändige Frisur. Und doch schnippelten sie stundenlang an meinen Haaren rum.

Damals wurde noch automatisch geföhnt. Ich kam gar nicht auf die Idee, darauf zu verzichten.

Meine Haare wurden gezogen, gedreht, aufgerollt und wieder glattgebügelt. Eine Pein.

 

So wurde ich mit Scheren, Lärm und Hitze traktiert. Und für diese Qualen erwarteten die Friseure noch ein dankbares Lächeln.

Ich wollte nur flüchten.

Kaum zu Hause ging ich sofort ins Bad und wusch die Haare wieder.

Weg mit den ganzen Mittelchen! Weg mit dem Gefühl, 20 Jahre älter zu sein!

 

Ein neuer Versuch: Ich ließ meine Haare wachsen.

Doch das war auch keine Lösung. Meine Haare wachsen zwar schnell, sind dann aber trocken und brüchig.

So schleppte ich mich wieder und wieder meinem Schicksal entgegen. Das ergebene Schaf auf dem Weg zur Schlachtbank.

 

Gut gemeint

Fast noch schlimmer als der Besuch beim Friseur waren die Tage danach.

Nun fühlte ich mich schon nicht sonderlich wohl mit meiner Frisur. Am liebsten hätte ich sofort das Geschehene vergessen. Doch jeder – wirklich jeder – musste einen Kommentar dazu abgeben.

„Du warst beim Friseur? Du sieht ja jetzt gut aus.“ So, so, sonst sehe ich also nicht gut aus? Und diese Überraschung in der Stimme. Als ob ich vom Aschenputtel zur Prinzessin geworden wäre.

Ich war nur beim Friseur!

 

Ich weiß, es war lieb gemeint. Und doch fiel es mir schwer, ruhig und freundlich zu bleiben. Ich hatte das notwendige Übel hinter mir. Die Haare waren ab. Weiter in der Tagesordnung.
Bitte!

Selbst ein: „Die Farbe steht dir!“ verleitete mich dazu, mir das Essen noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Am liebsten auf die Füße der Sprecherin.

Hätte ich gar keine Haare gehabt, wäre es einfacher gewesen. Aber so mutig war ich dann doch nicht.

Alle Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen. Friedrich Nietzsche • Design by Astrid von Weittenhiller

 

Viele Versuche und langsames Vertrauen

Jahre später ließ ich mir doch die Haare schneiden. Ich hatte keine Lust mehr auf den ganzen Aufwand.

Ich sagte dem – wieder einmal  – neuen Haarstylisten, dass ich lieber zum Zahnarzt gehe als zum Friseur.

Der arme Mann wollte es zuerst gar nicht glauben. Doch er zeigte Interesse und Verständnis.

Es war das erste Mal, dass ich meine Gefühle einem Meister der Kunst anvertraute. Und es fühlte sich gut an!

Ich fühlte mich endlich mal wirklich als Kundin!

 

Trotzdem dauerte es noch lange, bis ich mich tatsächlichen als Kunde im Sinne von kundig empfand.

Die kurzen Haare haben mir dabei geholfen.

Ich wusste ganz genau:
Egal was für ein Mist der Friseur schneidet, nach ein paar Wochen ist es weitgehend herausgewachsen.

 

Aber ich hatte noch nicht alle Lektionen gelernt.

Ich war noch immer auf der Suche nach „meinem“ Friseur. Nach einer Vertrauensperson, die mich blind versteht. Jemandem, der es gut mit mir meint. Jemand, der weiß, was zu mir passt und mich so lässt, wie ich bin.

Manchmal war ich diesem einen Traumfriseur (w/m) schon sehr nahe.

Doch immer wieder passierte etwas, dass ich entweder das Vertrauen verlor oder durch äußere Umstände ein Wechsel notwendig war.

 

Meine Erkenntnis

Durch die kurzen Haare – und die kurze Halbwertszeit – fand ich ein entspannteres Verhältnis zu meiner Frisur.

Nach und nach bekam ich eine Idee, wie mein Kopf aussehen sollte.

Ich probierte viel aus. Einiges gefiel mir. Anders nicht.

Ich lernte die Sprache der Friseure und wusste, worauf ich sie hinweisen musste.

 

Dabei erkannte ich zwei wichtige Dinge:

1. Nicht jeder versteht mich einfach so.

2. Ich muss klar sagen, was ich will und auch darauf bestehen.

 

Auch beim Friseur gilt: Wer nicht selbst bestimmt, muss hinnehmen, was andere für ihn bestimmten. • Design by Astrid von Weittenhiller

 

Ich gab endlich den größten Irrglauben auf:

Es gibt niemand anderes, der besser weiß, was mir gefällt.

Alles ist Geschmacksache. Und Friseure sind keine Hellseher, die wissen können, wie mein Geschmack ist.

Es gibt beim Aussehen kein richtig und falsch. Und selbst mit der größten Erfahrung kann sich ein Meister irren.

Denn das Maß ist meine Vorstellung. Ich muss so durchs Leben gehen.

 

Selbst heute gehe ich noch lieber zum Zahnarzt als zum Friseur.

Gut, das liegt auch daran, dass ich normalerweise schnell wieder draußen bin.

Dennoch ist es beim Zahnarzt viel einfacher.

Entweder die Zähne sind in Ordnung. Dann wird vielleicht noch etwas Zahnstein entfernt und fertig.
Oder es muss was in Ordnung gebracht werden. Das kann im Detail komplizierter sein und vielleicht auch kurz wehtun, ist aber von der Sache her klar.

Aber bringe mal dein Aussehen „in Ordnung“, wenn du nicht weißt, wie das sein soll!

 

Der Anfang von einem selbstbestimmten Leben

Mir war die Wichtigkeit meiner beiden Erkenntnisse zunächst nicht klar.

Wie selbstverständlich dachte ich, dass ein Profi doch automatisch verstehen muss, was ich meine. Mein Irrtum bestand darin, dass ich dachte, ein erfahrener Friseur weiß besser als ich, was an mir gut aussieht.

Doch dann sah ich so aus, wie jemand anderes es gut fand. Jemand Fremdes!

 

Niemand – nur ich selbst – weiß wirklich, was gut für mich ist. Ich bestimme, was ich will.

Seither lerne ich, wie ich mein Leben mehr und mehr selbst steuere.

Zunächst verschaffe ich mir Klarheit. Was möchte ich und was lieber nicht.

Sollte ich es noch nicht wissen, probiere ich es aus. Vielleicht lasse ich mich beraten, aber die Entscheidung liegt bei mir.

Danach liegt es an mir, mich so verständlich zu machen, dass es mein Gegenüber versteht.

 

Eigentlich ist es ganz einfach. Das bedeutet aber nicht, dass es auch leicht ist.

Manchmal ist es schwierig, mir klar über meine Vorstellungen zu werden. Und manchmal finde ich nicht die richtigen Worte, meine Vorstellung rüber zu bringen.

Aber ich weiß, dass ich auf einem guten Weg bin. Und vor allem, der Friseur hat seinen Schrecken verloren.

Gutes Aussehen ist Geschmackssache. Und deinen Geschmack kennst DU am besten. Tweet mich

 

Es ist mir ganz egal, woher meine Phobie vor Friseuren stammte.

Ob es ein Kindheitstrauma war oder etwas ganz anderes dahinter steckt. Mir ist es wichtig, dass ich im Hier und Jetzt gut damit umgehen kann.

Und falls sich sonst noch was auflösen sollte, sage ich: Herzlich willkommen.

Aber wichtiger ist mir das gute Gefühl heute. Und mein ehrliches „Vielen Dank“, wenn jemand meine neue Frisur bemerkt.

 


 

Jetzt bist du dran:

Wie geht es dir, wenn du nicht ganz genau weißt, was gut für dich ist? Wie viel lässt du über dich ergehen?
Schreibe einen Kommentar und erzähle von deinen Erfahrungen.

 

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Astrid von Weittenhiller
Life-Coach für Abenteuerinnen

 

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  • Sabine sagt:

    Liebe Astrid,

    dass auch andere Frauen und auch Du, dieses Gefühl von Entfremdung durch den Friseur haben, hat mich dann doch ein wenig überrascht.

    Weder mag die Gerüche (trage nur 1 Parfum, alles andere ist geruchlos soweit es geht) und auch ich versuche danach nach Hause fahren zu können, um mich „reinzuwaschen und ich zu werden“.

    Das Schlimmste für mich jedoch ist, dass ich ein sehr genaues Bild davon habe, wie ich mich wohlfühle … beim Friseur und wie es hinterher aussehen soll. Trotz vielen Erkärens haut das nicht immer hin. Seit einigen Jahren habe ich GSD einen Friseur, der es mit Gelassenheit und wir beide mit Humor nehmen.

    Ich könnte noch einiges mehr dazu schreiben; vermutlich könnte ich auch eine Kurzgeschichte dazu machen :-D … doch ich wollte Dir nur kurz mal mitteilen, dass auch ich mich jahrelang falsch gefühlt habe (und dachte, es käme von gruseligen Kindheitserlebnissen beim Herrenfriseur à la „Setz dem Kind einen Deckel auf und schneid drum herum“). Doch es ist geht viel tiefer. Ich habe grundsätzlich kein gutes Gefühl, wenn jemand „an mir rum macht“ bzw. ich das Ergebnis nicht bestimmen kann. Die Kontrolle abzugeben, soweit notwendig, ist immer wieder eine Aufgabe – GSD dauert diese nur 1 Stunde (jaaa, so lang geben mein Friseur und ich uns die Mühe und Zeit – und das ganz ohne Schnick-Schnack, wie Färben).

    Vielen Dank, dass Du so offen Deine Erlebnisse schilderst. Da fällt es doch sehr leicht, mich einfach auch ganz öffentlich zu äußern.

    Herzlichen Gruß
    Sabine

    … die immer wieder zur Kurzhaarfrisur zurückgekehrt ist, ob wohl es sich andere oft anders wünschten und meinten es sähe besser aus.

    • Astrid von Weittenhiller sagt:

      Liebe Sabine,
      ich danke dir für deine Offenheit!
      Spannend, wie viele Gründe es gibt, dass so was Triviales wie ein Friseurbesuch eben kein Vergnügen ist. Und spannend, wie viele Frauen das so empfinden.
      Bitte schreibe unbedingt eine Kurzgeschichte. Die würde ich sehr gerne lesen!
      Ich freue mich, dass du deine Erfahrungen hier mit uns teilst. Danke dafür.
      Sonnige Grüße -Astrid

  • Natascha sagt:

    Liebe Astrid,

    genau DAS habe ich bis jetzt fast immer erlebt ;-) Die Krönung war, dass mir eine mißgünstige Friseurin einmal mit vernichtendem Blick auf meine Haare sagte: „Mit Deinen Haaren kann man ja rein gar nichts veranstalten…die kannst Du nicht wachsen lassen!“ Ach…und wieso nicht??? Es sind MEINE Haare – und wenn ich mich von der Kurzhaarfrisur verabschieden möchte, weil ich für mich längere Haare schöner finde – dann ist das MEINE Entscheidung. Ich lasse mir doch nicht von einer übellaunigen schereschwingenden Frau vorschreiben, was geht – und was nicht. Also war Geduld angesagt, 4 weitere Friseure wurden getestet, innerhalb dieser 2,5 Jahre sagte ich als Allererstes: „Ich möchte meine Haare wachsen lassen, ich weiß, dass sie fein sind, also brauchen wir einen guten Schnitt…und ich will nicht mit 5 Bürsten herumoperieren, einfach Fön reinhalten, durchpusten – und fini“. Ja…es kostete mich schon Überwindung, das so klar zu sagen – aber meine Erfahrung sagt mit: Wenn ich mich glasklar ausdrücke, werde ich falsch verstanden. Zum Ende will der Friseur einem immer kaugummiartiges Zeug in die Haare kneten/sprühen…aber auch da hilft nur ein klares „nein – ich will das nicht, das verklebt ja alles“.Zwar habe ich meist Unverständnis geerntet- aber das Ergebnis war dann auch nicht zum Fürchten…

    • Lifecatcher sagt:

      Hallo Natascha,

      wow, da hast du ja wirklich Mut bewiesen, dass du so konsequent und klar gesagt hast. Alle Achtung!
      Vielen Dank, dass du deine Erlebnisse mit uns teilst. Ich denke, dass hilft auch anderen, mehr auf ihre eigenen Vorstellungen zu bestehen. Dann hoffe ich, dass du jetzt einen einfühlsameren und verständnisvolleren Friseur hast. Es soll doch jeder mit seinem eigenen Kopf glücklich sein ;-)

      Herzliche Grüße -Astrid

  • Lifecatcher sagt:

    Per Mail habe ich noch eine Kommentar von einem Freund bekommen, den ich nicht vorenthalten möchte:
    „Die Friseurgeschichte erinnert mich jedes Mal an meine eigenen, vierwöchigen
    Intervall. Nicht dass ich da Zweifel an meiner Optik/Frisur hätte. Die ist
    wie sie ist.
    Aber: jedes Mal, aber auch wirklich jedes Mal fragt die Friseurin, und es
    sind unterschiedliche, ob ich etwas Gel in die Haare möchte. Und obwohl
    meine Antwort jeweils nein lautet (ich hasse Gel in den Haaren), wird
    nachgefragt: wirklich nicht? Es ist nervig…“

    Ich hatte gar nicht erwartet, so eine Resonanz auf den Artikel zu bekommen, aber ich danke allen und freue mich sehr darüber!

  • Aline sagt:

    Das geht mir ähnlich! Ich ertrage den Gestank der ganzen Haarprodukte nicht und wasch mir deswegen zuhause gleich immer die Haare… der Schnitt mag dann OK sein, aber die fönen mir die Haare dann auch immer so, dass ich es nicht mag, also pervers aber 1. Tat nach dem Frisör Haare waschen…

    Als ich mal blond war bin ich quasi nach jedem Färben wieder hin, weil ich immer orange rausgekommen bin und wie häufig man mir die Haare verschnitten hat, so dass sie zuhause so gar nicht mehr machten was schön war, kann ich gar nicht mehr zählen. Auch die male wo ich dann heulend zuhause saß.

    Ich bin dann irgendwann dazu übergegangen meine Haare selber zu schneiden, wenn ich dann mal wieder beim Frisör saß, habe ich immer das Feedback bekommen, dass sie das nicht gemerkt hätten und sie von Profis schon richtig schlimmes gesehen haben. Punkt für mich.

    Jetzt bin ich bei jemanden, der wirklich sein Handwerk kann, alleine ist und auch jeweils nur eine Kundin hat (Lärmpegel = 0) aber auch dementsprechend kostet… aber das ist es mir in dem Fall auch wert, sonst würde ich wieder selber schneiden ;).

  • Ann-Sofi sagt:

    LOL, Astrid, I recognize this SO much! In fact, I hated it so much going to a hairdresser that I´ve been cutting my hair myself for the last 15 years or so – I felt that it was better to have a badly cut hair that at least was close to my own idea of who I was, than somebody elses (perfect) version of what they thought looked good…

    As I have curly hair and wanted a very „casual“ look, it was usually OK. But a few months ago I got the idea to cut a short page. The result was a catastrophy! I still walked around in my ugly haircut for a few days until I managed to accept what I had to do: I had to admit my own shortage and ask for help.. (NOT an easy one ;) )

    Luckily enough, my neighbour is a hairdresser. Even if he mostly do the hair for old ladies, i figured, since I know him and like him, I should be able to explain what I wanted – and after all, I already created the „sketch“. It took him about 10 minutes on a sunny day in out garden to fix it – this is what a pro can do, if you just manage to express what you need help with :),

  • Riki sagt:

    Das ist mir auch schon passiert, dass ich nach dem Friseur darauf angesprochen wurde, „was für eine tolle Frisur, das steht ihnen aber gut“ und ich war gar nicht davon überzeugt und habe sofort zu Hause die Haare gewaschen und sie nach meinen Vorstellungen geföhnt. In der Zwischenzeit sage ich zu meinem Friseur: „ich möchte keine gestylte Frisur“.
    Ich habe es aber auch schon erlebt, dass ich schlecht gelaunt zum Friseur ging und danach mich viel besser gefühlt habe. Mit der neuen Frisur oder Farbe war ich gleich entspannter und selbstbewusster.

  • Isa sagt:

    Der Vorteil von Brillenträgern: Ist die Brille abgesetzt, müssen sie dem Frisör blind vertrauen.

    Und genau so mache ich das. Entweder habe ich eine Vorstellung und diskutiere sie mit dem Frisör bis beide zufrieden sind und er (in Wirklichkeit eine Sie) loslegen kann. Oder aber ich sage: „Mach einfach!“ Und dann? Dann heißt es zurücklehnen, im Klatschblatt schmökern, Café Latte trinken und die Kopfmassage genießen.

    Die Basis des Ganzen ist natürlich ein Frisör, der echt gut ist, der seine Meinung sagt und der tut, was verabredet war. Und vielleicht hilft es auch, dass er aus der gleichen Ecke des Landes kommt wie ich. Da versteht man sich eben…

    PS: Ich weiß übrigens woher mein Nicht-Trauma kommt :-)

    Ach ja, noch was: Wenn von 5 Schnitten einer daneben geht – so what.

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