Neue Dinge zu lernen muss schwierig sein und lange dauern.
Das ist die Botschaft, die ich in der Schule mitbekommen habe. Eine beliebte Aussage unterstützt das noch: Du brauchst 10.000 Stunden, um etwas richtig gut zu können.

Ich lerne unheimlich gerne. Es macht mir Spaß, mich mit Dingen auseinanderzusetzen, die neu für mich sind. In manchen Gebieten genügt mir eine Grundlage, in anderen möchte ich gerne mehr wissen.

Daher beschäftige ich mich mit dem Metawissen rund ums Lernen. Zum Beispiel wie lange man braucht, um etwas erfolgreich zu können.

Die 10.000 Stunden Regel…

Die bekannteste Regel, wie lange man zur Meisterschaft braucht, wird Malcom Gladwell zugeschrieben. Er behauptet, dass man etwa 10.000 Stunden üben muss, um – in welchem Gebiet auch immer – richtig gut zu werden.

Diese Aussage wird seither überall erwähnt und oft unkritisch weiter gegeben. So gehen die anderen wichtigen Faktoren unter, die zum Erfolg beitragen. Wenn du darüber gerne mehr wissen möchtest, findest du eine Zusammenfassung bei der „Welt“.

Die Grundlage für Gladwells Behauptung hat der Psychologe Anders Ericsson geliefert. (Hier ein Link zum Artikel der Karrierebibel, wo du das PDF-Dokument mit der Studie herunterladen kannst.)

Dagegen bezieht sich der Redner Steffen Kirchner für die 10.000 Stunden Regel auf den Neurologen Daniel Levitin. Er zitiert Daniel: “Es ist bislang kein Fall bekannt, indem Expertentum von Weltrang innerhalb kürzerer Zeit erworben wurde. Es scheint, als benötigte das Gehirn so lange, um zu assimilieren, was nötig ist, um eine Tätigkeit wirklich zu beherrschen.”

…und der Widerspruch

So eine Aussage fordert sofort Widerspruch heraus. Lino Coscia stellt in seinem Artikel „Das Ende der 10.000 Stunden Regel” ein Gegenargument vor. Dort wird auf die Genetik hingewiesen und darauf, dass die 10.000 Stunden ein Mittelwert seien.

Ein anderer, der diesen 10.000 Stunden widerspricht, ist Tim Ferris. Er wurde bekannt mit seinem Bestseller „Die 4-Stunden-Woche”. Nach diesem Erfolg hat er sich sehr intensiv mit dem Thema Lernen beschäftigt. In seiner Online Show „Tim Ferriss Experiment” zeigt er, wie er in nur wenigen Tagen die unterschiedlichsten Dinge lernt. Und zwar bis zu einem hohen Grad an Meisterschaft. So spielt er Poker mit den Profis, gibt ein Interview in einer fremden Sprache, performt während eines Konzerts ein Drum-Solo vor Tausenden von Menschen und tritt gegen Jiu Jitsu Meister an. Die Videos sind (noch) nicht in Deutschland zu sehen, aber den Trailer findest du hier.

Tim versucht damit zu beweisen, dass man sehr viel in sehr kurzer Zeit lernen kann, wenn man die richtige Strategie verfolgt (z.B. beim Sprachenlernen). Klar, er macht das sehr medienwirksam und spektakulär. Es ist halt eine US-amerikanische Show. Tatsache ist jedoch, mit den richtigen Lehrern und der richtigen Methode gibt es wirkungsvolle Abkürzungen.

Im deutsch-sprachigen Raum hat die 2011 verstorbene Vera Birkenbihl wertvolle Arbeit geleistet und wesentlich zu neuen, besseren Lernmethoden beigetragen. Sie hat ebenfalls gezeigt, wie man vorhandenes Wissen nutzt und durch kluge Übertragung schneller und einfacher lernt.

10.000 Stunden sind 1.250 Arbeitstage á 8 Stunden. Das sind über 178 Wochen mit 7 Tagen oder knapp 3,5 Jahre.
Ich konnte schon mit einem Jahr richtig laufen. Dafür stolpere ich heute noch genauso oft wie als 3,5 jährige – obwohl ich seither täglich übe. ? Wie doof.

Die 20 Stunden Regel

Einen anderen Ansatz verfolgt der Autor Josh Kaufman. Bei einem TED Talk berichtet er von seinem Buch „The First 20 Hours. How to Learn Anything… FAST!”: Wie man in nur 20 Stunden alles schnell lernen kann.

Er bezieht sich ausdrücklich auf die 10.000 Stunden Regel und meint, dass man in weniger als 20 Stunden jede Fähigkeit erlernen kann. Was uns seiner Meinung nach daran hindert, ist der Frust.

Josh erinnert uns daran, dass die ersten Stunden die entmutigendsten sind. Es geht um die Schwierigkeit zu üben, sobald die erste Begeisterung nachlässt. Die meisten geben schon lange vor den 20 Stunden auf.

Es ist viel einfacher zu sagen, das kann ich nicht, als sich der Aufgabe hinzugeben. Warum soll ich mich von Misserfolgen frustrieren lassen, wenn es so schöne Ablenkungen gibt. Selbst unangenehme Pflichten sind plötzlich wichtiger.

Der Gewinn, wenn du dranbleibst, ist enorm. Denn nach den ersten 20 Stunden steigt die Erfolgskurve rapide. Es wäre also vernünftig, die Zähne zusammenzubeißen und sich durch diese verflixten 20 Stunden zu quälen. Vor allem, da es so viel kürzer als die 10.000 wäre.

Aber so ticken wir in der Regel nicht. Du kennst vielleicht den Marshmallow-Test. Dabei geht es um die Impulskontrolle, ob wir sofort etwas haben wollen oder abwarten können. Das Ergebnis: Abwarten ist super schwierig, wenn die Belohnung direkt vor unserer Nase liegt.

Es gibt noch einen weiteren Faktor. Um nach den 20 Stunden eine Fähigkeit zu beherrschen, bedarf es einer guten Vorbereitung. Zunächst einmal müssen die komplexen Tätigkeiten auseinander gedröselt werden. Dann gilt es einen Weg zu finden, wie die Übungsmethode optimiert werden kann. Zuletzt ist das Wissen über das richtige Lernen ein wesentlicher Bestandteil der Methode.

Josh verspricht, dass man nach 20 Stunden fokussiertem Üben mit der richtigen Methode alles erlernen kann. Auch wenn man zu Beginn absolut nichts gewusst hat, kann man ein gutes Ergebnis vorweisen.

Der Erfolgreiche überprüft seine Begabungen und Fähigkeiten, ehe er sein Ziel steckt | Birkenbihl Tweet mich

 

Meine Erfahrung

Es gibt Dinge, die fallen mir leicht, andere fallen mir schwer. Bisher war *ich* mein größter Feind, wenn ich etwas lernen sollte, was ich nicht wollte. Warum? Weil ich es dann nicht gemacht habe. Ich habe mich irgendwie durchgemogelt. Da ich eine gute Auffassungsgabe habe, ist es nicht besonders aufgefallen.

Ich habe mich also nie 20 Stunden zu etwas gequält, was ich absolut nicht lernen wollte. Doch wenn mir eine Sache wichtig war, habe ich es recht schnell gelernt. Die Freude daran hat verhindert, dass mich der Anfangsfrust stoppt.

Und im Laufe der Jahre bin ich stets besser geworden.
Auch wenn ich kein Profisportler oder herausragender Musiker bin: Es gibt Dinge, die ich bereits seit so langer Zeit immer wieder tue, dass locker 10.000 Stunden zusammen gekommen sind. Diese Dinge sind inzwischen ein Teil meines Selbstverständnisses.

Vielleicht bin ich darin Profi. Doch meine Interessen sind anders gelagert. Ich bin nicht der Wettkampftyp. Wie soll ich zum Beispiel wissen, ob ich ein herausragender Mutmacher und Ideenfinder bin? Und noch viel wichtiger: Wozu wäre das für mich wichtig?
Nicht jede Fähigkeit passt in unser Leistungsdenken.

Das größte Problem bei beiden Thesen ist meiner Meinung nach, dass wir nicht lernen, wie wir etwas lernen können. Keiner erzählt uns in der Schule vom Frust der ersten 20 Stunden. Deshalb sind viele überzeugt, dass sie für das eine oder andere Fach einfach ungeeignet wären. Sie haben schon vor der Zeit aufgegeben – oft für immer.

Als ich an die Uni kam, hatte ich zunächst große Schwierigkeiten. Ich wusste nicht, wie ich mir selbstständig den Lernstoff aneignen konnte. Es wurde nicht vorgekaut wie in der Schule. Ich hatte nicht bewusst gelernt, wie ich mir Dinge gut merken kann. Von den unterschiedlichen Lerntypen hatte ich keine Ahnung.

Mein Ergebnis:
Ich kann keine der beiden Regeln aus meiner bewussten Erfahrung beurteilen.
Trotzdem finde ich es wichtig, davon zu berichten. Warum? Sie bieten uns interessante Optionen und wichtige Einblicke in die Welt des Lernens. Dinge, die dir in Zukunft helfen können – egal, ob für neues Wissen oder auf dem Weg zur Meisterschaft.

Lernen – Mal so, mal so

Ganz gleich, wie lange du brauchst, um eine neue Fähigkeit zu lernen, bitte behalte immer diese beiden Punkte im Fokus:

  1. Die Grundlage ist, dass du weißt, wie du lernst.
  2. Dinge, die dir Spaß machen, fallen dir leichter.

Daher habe ich eine ganz einfache Empfehlung:
Konzentriere dich darauf, dass zu lernen, was dir Freude macht. Es ist schwierig sich zu motivieren, wenn man keinen Sinn dahinter erkennt. Lerne mehr von dem, worin deine Stärken liegen. Und überlasse die anderen Gebiete denen, die das besser können, weil es ihre Stärke ist.

Ein Grundverständnis für eine Sache erlernst du in wenigen Stunden konzentrierter Arbeit. Für eine Meisterschaft ist es sinnvoller, Freude daran zu haben. Dann fällt dir das Dranbleiben leichter. Du lernst mit Begeisterung und ohne Stress.

Für mich bedeutet das:

  • Dingen, die nicht meinen Talenten entsprechen, widme ich nur wenige Stunden, um die Grundlagen zu verstehen. So kann ich die Arbeit den Profis überlassen und trotzdem beurteilen, was mir verkauft wird.
  • Dingen, die meinen Talenten entsprechen, widme ich meine ganze Begeisterung. Ich beschäftige mich damit und übe, wann immer ich Lust dazu habe. So kommen schnell viele Stunden zusammen. Dass ich dabei besser werde, ist ein schöner Nebeneffekt. Das Üben macht Spaß und die „Meisterschaft” ist ein zusätzlicher Erfolg.

 

Herzlichen Dank für die Zeit, die du dir für das Lesen des Artikels genommen hast.
Kennst du jemanden, für den der Text hilfreich wäre? Dann erzähle bitte davon und empfehle mich weiter. Du hilfst damit deinen Freunden und mir. Danke!

Das Leben ist ein Geschenk. Mach was draus und

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​Über Astrid von Weittenhiller

Astrid arbeitet online als Life-Coach. Dabei zeigt sie Frauen, die ihren Mutter-Wunsch aufgeben, wie sie ihre Beziehung zu sich und anderen verbessern. So finden sie inneren Frieden und erschaffen sich ein erfülltes Leben. Privat findest du Astrid oft draußen beim Wandern, Trekking oder Spazieren.

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