Wie es ist, wenn du am Impostor Phänomen leidest.

Impostor Phänomen • Foto by Astrid von Weittenhiller

Anna ist verzweifelt. Unruhig wälzt sie sich im Bett von einer Seite zur anderen. Und der Mann, der neben ihr liegt und den sie liebt, versteht sie nicht. Anna leidet am Impostor Phänomen.

Jordan hat Jura studiert. Und zwar an einer der besten 10 US-amerikanischen Elite-Unis.

Als er an die Uni kam, dachte er: „Ich bin definitiv der dümmste Kerl hier. Jeder andere ist so brillant. Ich bin irgendwie durch das Raster geschlüpft. Das ist super, ich beschwere mich nicht. Aber eigentlich sollte ich zum Dekan gehen und erklären, dass sie bei mir einen schrecklichen Fehler gemacht haben. Sie sollten mich rausschmeißen.

Das hat er natürlich nicht getan. Doch es hat dazu geführt, dass er den Kopf einzog und so hart gearbeitet hat, wie er konnte. Alles, um bloß nicht aufzufallen.

Jordan hatte niemanden, mit dem er darüber reden konnte. Es hat sich in das Studium gestürzt und wie besessen gelernt. Nicht, um gut durchzukommen, sondern weil er davon überzeugt war, dass er sonst scheitern würde. Seine Motivation war die Angst vor Versagen, nicht die Freude auf Erfolg. Auch Jordan leidet am Impostor Phänomen.

Keiner, der Anna oder Jordan kennt, würde das von ihnen denken. Und die beiden würden es nicht bei anderen erkennen. Dass ich das Gefühl gut kenne, habe ich dir bereits in diesem Artikel offen gelegt.

Zur Erinnerung: Das Impostor Phänomen ist „… ein psychologisches Phänomen, bei dem Betroffene unfähig sind, ihre Erfolge zu internalisieren. Trotz offensichtlicher Beweise für ihre Fähigkeiten sind Betroffene davon überzeugt, dass sie sich ihren Erfolg erschlichen und diesen nicht verdient haben.“ (Quelle: Wikipedia)

 

Über die Ängste beim Impostor Phänomen.

1. Hinter Masken.

Das Impostor Phänomen versteckt sich hinter einer Maske, die kaum zu durchdringen ist. Es ist die irrige Vorstellung, dass sich jeder besser vorbereitet hat, mehr weiß oder besser ausgebildet ist als du. Und es ist die tiefe Überzeugung, dass kein anderer Mensch die gleichen Zweifel hat wie du. Damit bist du davon überzeugt, dass du weit und breit der einzige bist, der sich durchschlängelt. Du hast es bisher jedes Mal geschafft, aber du weißt nicht wie. Daher kannst dich nicht darauf verlassen. Im Grunde deines Herzens hältst du dich für nicht gut genug. Und deine bisherigen Erfolge sind Zufall oder Glück.

Wenn es darauf ankommt, wirst du unsicher. Du befürchtest, dass du dieses Mal auffliegst. Dieses Mal werden alle merken, dass du nicht so fähig und kompetent bist, wie die anderen glauben. Judah Pollack vergleicht es mit dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Du hast zwar Kleider an, aber du befürchtest, es kommt jemand und sagt: „Hey, die ist ja nackt!“ Nach dem Ausruf bräuchtest du nicht nachschauen. Du wärst sicherlich nackt, denn so fühlt es sich die ganze Zeit schon an.

Du lebst in ständiger Angst, enttarnt zu werden – zumindest in den Bereichen deines Lebens, die dich herausfordern.

2. Nichts sagen.

Ein typisches Element des Impostor Phänomens ist, dass du nicht darüber sprechen kannst. Anna hat versucht, mit ihrem Mann zu reden. Sie hat ihm von ihren Zweifeln erzählt. Sie möchte gerne intern weiterkommen und sich auf eine höhere Position bewerben. Aber sie fragt sich, ob sie das schaffen kann. Bekommt sie es hin, sich gegen die anderen durchzusetzen? Ist sie wirklich schon so weit? Und was, wenn sie viel mehr arbeiten muss? Bleiben die Kinder und ihre Ehe auf der Strecke? In ihrem Kopf spielen sich gleichzeitig die schrecklichsten Szenen ab, die alle mit ihrem Scheitern enden. Dieses Gedankenkarussell lässt sie nicht schlafen.

3. Ganz alleine.

Ihr Mann ist keine große Hilfe. Er meint: „Probiere es doch einfach. Was hast du zu verlieren. Ich weiß, dass du gut bist.“ Aber Anna weiß das nicht. Ja, sie hat es bisher geschafft. Aber das war was anderes. Und wird der Fall nicht schlimmer, je höher man klettert? Inzwischen reagiert ihr Mann genervt auf ihre Zweifel-Attacken. Deshalb trägt sie jetzt auch zu Hause ihre Maske von der erfolgreichen Frau. Manchmal fragt sie sich, was das wohl für ihre Ehe bedeutet.

Einsamkeit tötet Träume. #BarbaraSher Tweet mich

 

Über die Abhängigkeit von äußeren Faktoren.

Imposter (so nenne ich die Leute, die am Impostor Phänomen leiden,) haben keine starke innere Basis aufgebaut. Sie fühlen sich nicht sicher und fragen sich, wer sie wirklich sind. In unserer westlichen Gesellschaft messen wir unseren Wert an äußeren Faktoren. Damit machen wir uns abhängig von anderen und von Dingen, auf die wir keinen Einfluss haben. Wir fühlen uns gut, wenn wir ein schickes Auto, einen guten Job, tolle Kinder und Partner und viel Geld für Urlaub und Luxus haben. Wir lachen über die Werbung mit „Mein Haus, mein Auto, mein Boot.“ Aber ist es nicht doch ein klein wenig wahr?

Bleibt nicht das Gefühl, dass wir nicht genug getan, es nicht gut genug gemacht haben? Dieser Blick nach außen führt leicht zu einem verzerrten Blick auf dich selbst. Wenn die Welt um dich nicht so ist, wie du es dir wünschst, muss es an dir liegen. Vielleicht bist du nicht gut genug. Und schon schlägt das Impostor Phänomen zu.

 

Es könnte so einfach sein.

Jordan fragt sich, warum er nicht dachte: „Schau an, ich bin an dieser tollen Jura-Fakultät. Bin ich nicht großartig!“ Stattdessen war er ängstlich davon überzeugt, dass er derjenige war, der am wenigsten her passt und der am wenigsten erwünscht war. So entstand sein Selbstbild: Ich bin hier falsch, ich bin ein Fehler. Und unterschwellig hatte er Schuldgefühle.

Jordan gibt es wirklich. Er leitet heute ein erfolgreiches Unternehmen, das Männern zeigt, wie sie ihr ganzes Potenzial leben und sozial erfolgreich werden. Seine Aussage stammt aus einem Interview auf „The Art of Charm“ mit Judah Pollack (ca. Minute 7:30 bis 15:00), das auf Englisch geführt wird.

Anna gibt es so nicht. Ich werde dennoch regelmäßig von ihr schreiben. Und ich schreibe für sie. Ich habe sie entwickelt wie eine Romanfigur. Sie steht stellvertretend für die Frauen, denen ich zur Seite stehen möchte. Anna ist mir sehr ans Herz gewachsen, sie ist wie eine Freundin für mich.

Über Selbsthass.

In dem Interview bei Art of Charm erzählt Judah noch eine kurze Anekdote vom Dalai Lama, die ich gerne mit dir teilen möchte.

Bei einem seiner ersten Besuche im Westen wurde das Wort Selbsthass benutzt. Wie alles andere wurde der Begriff für den Dalai Lama übersetzt. Nach kurzem Zögern stoppte er das Gespräch. Er bat: „Kannst du das bitte noch einmal übersetzen?“ Und der Übersetzer wiederholte „Selbsthass“. Der Dalai Lama schüttelte den Kopf. „Das muss eine falsche Übersetzung sein. Wie ist es möglich, dass das Selbst sich selbst hasst?“ Offenbar existiert dieses Konzept nur in der westlichen Welt – und den Gebieten, die entsprechend geprägt wurden.

Wäre es nicht schön, wenn wir das Konzept von Selbsthass und Selbstzweifel wieder verlernen könnten?

 

Heute gibt es keine Tipps, keine hilfreichen Anregungen – nur Geschichten. Und meine Botschaft an dich, dass wenn du am Impostor Phänomen leidest (und dich hier vielleicht wiedererkannt hast), du bist nicht alleine!

 

Herzlichen Dank für die Zeit, die du dir für das Lesen des Artikels genommen hast.
Kennst du jemanden, der am Impostor Phänomen leiden könnte? Dann zeige ihnen bitte den Text oder empfehle mich weiter. Du hilfst damit deinen Freunden und mir. Danke!

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PS: Worauf wartest Du noch?

 

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