Schaffe dir eine Jammer-Zone

Jammerzone: In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten. Albert Einstein • Design by Astrid von Weittenhiller

 

Die Jammer-Zone hat viele Vorteile. Trotzdem hat sie sich noch nicht durchgesetzt. Sie leidet nämlich an einem gewaltigen Image-Problem.

Neulich hat sich eine Freundin bei mir „ausgekotzt“. Ihr Wort, nicht meines. Sie hat total viel Stress im Büro. Anschließend kam noch eine Bekannte vorbei und hat sie ewig lang genervt.

Ich fand die Geschichte amüsant und musste oft schmunzeln. Doch dann fragte mich meine Freundin ganz schuldbewusst: „Habe ich jetzt sehr gejammert?“

Das war nicht das erste Mal, dass ich das in letzter Zeit gefragt wurde. Und es verwundert mich immer wieder.

Darf man sich nicht mehr aussprechen?
Darf man nicht mehr erzählen, was einen belastet?
Ist es schlimm, wenn man mit seinem Frust zu einer Freundin geht?

Das war für mich Anlass genug für diesen Artikel.

Vorteile deiner Jammer-Zone

Vorab möchte ich klarstellen, dass für mich Jammern eine Form der Seelenhygiene ist. Der Dreck muss weg! Aber wie zu langes Baden die Haut runzelig macht, schadet zu viel Jammern dem Gemüt.

Als Lösung habe ich mir die Jammer-Zone überlegt.

Es handelt sich um einen festen Platz. Dort kannst du oder jemand anders für eine bestimmte Zeit leidenschaftlich jammern – und nur dort.

Das hat einige gute Vorteile:

 

• Dir fällt auf, ob du oder jemand anderes jammern

Ich finde es ungemein wichtig, bewusst zu jammern. Nach meiner Erfahrung ist es effektiver, wenn wir wissen, was wir tun.

Du kannst es mit der Körperhygiene vergleichen: Duschen mit Schwamm und Seife macht besser sauber als ein Regenschauer, bei dem du von schlammigen Pfützen bespritzt wirst.

Das eine Thema kann das nächste nach sich ziehen und irgendwann merkst du es nicht mehr.

Also darfst du erst dein Bewusstsein fürs Jammern stärken.

Durch deine Jammer-Zone fällt dir besser auf, wann jemand jammert. Du wirst sensibler für das, was du sagst und was dir andere sagen.

 

• Du gibst dem Jammern einen festen Platz

Die Jammer-Zone ist ein ganz bestimmter Ort, den du auswählst. Dorthin gehst du, wenn du deinen Frust los werden möchtest. Oder wenn du der Seelentröster bist.

Viele Ernährungsberater empfehlen, nur am Esstisch zu essen. Vor dem Fernseher ist es total verpönt. Es soll vermieden werden, dass du unbewusst Kalorien in dich schaufelst.

Wichtig ist auch beim Jammern, dass du das gewohnte Umfeld verlässt.

Es gibt einen festen Platz, an dem du dich beklagen darfst. So lange, wie du möchtest. Aber eben nur dort und sonst nirgends.

Durch die Jammer-Zone ist der Rest deines Zuhauses jammerfrei. Du schaffst mehr Wohlfühl-Zonen und eine bessere Atmosphäre.

 

• Wenn der Platz nicht attraktiv ist, bekommst du weniger Jammer-Besuch

Das Konzept wird deinen Freunden und deiner Familie vermutlich zuerst komisch vorkommen. Sie fangen an, dir etwas zu erzählen. Du stellst fest, dass sie jammern wollen, und möchtest dir das gerne anhören. Jetzt forderst du sie auf, zur Jammer-Zone mitzukommen. Hmm…

Das sorgt sicher für eine große Irritation – wie jede Neuerung.

Ich kann mich erinnern, wie es war, als in den Wohnungen nicht mehr geraucht werden durfte. Das war für viele schwer vermittelbar. Heute ist es eher die Regel als die Ausnahme. Es ist eine Umstellung und eine neue Gewohnheit.

Durch deine Jammer-Zone halten sich die Ketten-Jammerer zukünftig zurück.

Zumindest wenn die Analogie funktioniert. Du könntest mit der Zeit sogar weniger von dieser Art von Besuch bekommen.

Auch der Jammer hat ein Maß. #Euripides Tweet mich

 

• Weniger jammern ist angeblich gesund

Gehen wir davon aus, dass es einen guten Grund gibt, warum Jammern gerade so unpopulär ist.

Ob es jetzt den kosmischen Bestellservice behindert oder das Karma belastet, es gibt eine ganze Menge unterschiedlicher Behauptungen. Dabei kann Jammern zum Beispiel eine Form von Neid sein und wichtige Hinweise geben.

Dennoch habe ich festgestellt, dass es mir nicht gut tut, wenn ich zu lange im Dreck suhle.

Eine Weile ist es gut, aber dann zieht es mich richtig runter. Wie das bei dir ist, weißt nur du.

Alles, was ich bisher beobachtet habe, bestätigt meine Auffassung.

Jammern lässt uns in der Vergangenheit verharren und wir bleiben passiv.

So verpassen wir den einzigen Zeitpunkt, an dem wir das Leben aktiv gestalten können: Jetzt!

Ob weniger jammern körperliche Vorteile bringt, weiß ich nicht. Ich habe auf jeden Fall mehr Spaß an meinem Leben.

Durch deine Jammer-Zone schränkst du dein Jammern ein.
Du hast mehr Zeit, dich um dich und deine Ziele zu kümmern.

 

Wie gestaltest du eine gute Jammer-Zone

Ein paar Hinweise auf die Gestaltung der Jammer-Zone habe ich bereits gegeben.

Ich kann Emotionen im Raum spüren. Und vielleicht geht es dir ebenso. Ich empfehle auf jeden Fall einen Platz, den du gut lüften kannst. Die Analogie zu einer Raucher-Ecke ist sehr passend.

Der Platz darf gemütlich sein. Die ganz Harten unter uns gehen zum Jammern auf die Straße. Denn je ungemütlicher die Zone ist, desto kürzer wird der Aufenthalt.

Für alle Bereiche in der Wohnung oder auf dem Balkon/der Terrasse empfehle ich einen Küchenwecker. Du kannst auch eine Sauna-Uhr montieren.
Damit behältst du die Zeit im Auge und kannst Dauer-Jammerer dezent darauf hinweisen.

Wenn ich alleine jammern möchte, gehe ich in die Sauna oder unter die Dusche. Das ist ganz praktisch. Dort wird der mentale Dreck gleich mit in den Abfluss gespült.

Viel mehr brauchst du nicht.

Hauptsache du hast einen klar definierten Ort und einen Zeitmesser.

Jammern oder nicht jammern – das ist hier die Frage

Ich weiß, alle Welt redet davon, dass du nicht jammern sollst. Es passt irgendwie nicht zu unserem Zeitgeist. Genauso wenig, wie dass wir aufs Klo müssen und das unangenehm riechen kann.
(Der Link zeigt ein lustiges Werbevideo, wie du der Welt glauben machen kannst, dass dein Pups nicht stinkt.)

Doch egal ob im Körper oder bei Emotionen: Was rein kommt, muss wieder raus.

Wir sollten den Mist loswerden, den wir täglich erleben. Ich zumindest habe lieber weniger Ballast. Für meine körperlichen Bedürfnisse gibt es das Badzimmer. Für meine Emotionen die Jammer-Zone.

Zumindest in meiner Vorstellung. Denn – ich habe gar keine Jammer-Zone.

Ich habe mir das gerade nur ausgedacht. Aber die Idee gefällt mir. Das ist ideal für Stress mit Jammer-Besuch. Ich jammere nicht viel. Doch es könnte anders sein.

Wenn ich viel jammern würde und das gerne ändern wollte, ich hätte eine Jammer-Zone.

Das Gegenteil ist oft der Fall. Ich kenne eine ganz Gruppe von Frauen, die sich sogar Schilder mit „Jammerfreie Zone“ auf den Tisch gestellt haben. Als Erinnerung für sich und Besucher, dass hier auf keinen Fall gejammert werden darf.

Wo denn dann? Da ist doch die Jammer-Zone dringend notwendig!


 

Jetzt bist du dran.

Fallen dir noch mehr Vorteile für eine Jammer-Zone ein? Oder findest du die ganze Idee absurd?
Schreibe mir deine Meinung oder Erfahrung als Kommentar!

 

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Astrid von Weittenhiller
Life-Coach für Abenteuerinnen

 

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  • […] Dann gibt es noch die Kategorie der Jammerer. Es ist wichtig und richtig, sich bei einer Freundin auszuheulen. Jeder hat mal Krisen und braucht dann Unterstützung. Überlege dir aber, was passiert, wenn das die Basis eurer Beziehung ist. Wenn du immer nur diejenige bist, die zuhört und tröstet. Im Extremfall wird deine Freundin sogar pampig, wenn du mal von dem Mist erzählst, der dir gerade passiert. Eine Beziehung ist am gesündesten, wenn sie auf Augenhöhe ist. Wenn es einen Ausgleich im Geben und Nehmen gibt. Bei Jammerern fehlt das häufig. Ihnen macht es Spaß, die Welt in schwärzesten Farben zu malen. Sie genießen die Dramatik und den Weltschmerz. Es ist eine Sonderform der Lästerer. Das kann mal Spaß machen. Doch frage dich, ob du das wirklich dauernd haben möchtest. Tut es dir gut? Geht es dir nach dem Telefonat besser oder schlechter? Wenn es dich runter zieht, lass den Kontakt einschlafen. Oder bist du der Jammerer? […]

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