Warum clevere Menschen ihre Gedanken hinterfragen

Warum clevere Menschen ihre Gedanken hinterfragen

Was denkst du, hat den größten Einfluss auf dich und dein Verhalten? Deine Erziehung, deine Gene, deine Erfahrung?
Es ist viel heftiger. Es sind deine Gedanken.

Stell dir vor, Sandra will zu einer Feier gehen. Sie hat sich schick gemacht und ist bereit. Doch während sie zur Türe geht, kommen ihr Zweifel.

Die Leute, mit denen sie sonst unterwegs ist, können heute nicht. Was ist, wenn dort nur Pärchen sind? Was, wenn sie niemanden kennenlernt mit dem sie quatschen kann? Was, wenn sie nur alleine rumsteht?

Dann erinnert sie sich an den Typen, den sie letztes Silvester kurz getroffen hat. Er hat regelrecht die Flucht ergriffen, weil er sie so langweilig fand. Der war aber auch arrogant. Oder lag es doch an ihr?
Ob sie heute wohl was Interessantes zu erzählen hat. Soll sie nicht lieber zu Hause bleiben?

Jeder Mensch denkt pro Tag etwa 60.000 Gedanken.
Wir reden ständig mit uns selbst.

Mal unterstützen wir uns. Mal kommentieren wir, was wir tun. Mal schimpfen wir.
Nicht alles, was wir denken ist hilfreich oder wenigstens höflich. 

60.000 Gedanken

Wir denken jeden Tag so viel, wie ein durchschnittlicher Roman Wörter hat. Stundenlang prasseln unsere Gedanken auf uns ein.

Doch was denken wir den ganzen Tag? Was denkst du?
Ist es liebevoll, nützlich, unterstützend? Ist es gemein, klein machend, zweifelnd?

Oft bemerken wir noch nicht mal, was wir denken.

Was wir bemerken ist, wenn wir uns plötzlich gut oder schlecht fühlen. Warum das so ist, daran erinnern wir uns selten. Kein Wunder bei den vielen Dingen, die uns im Kopf herumschwirren.

Manchmal haben wir Glück. Dann beschäftigen wir uns intensiver mit einer Sache.

Zum Beispiel, wenn wir zweifeln und grübeln. Das versetzt uns allerdings selten in ein Hochgefühl. Denn dahinter steckt eine bestimmte Geschichte, die wir uns erzählen. Und in dieser Geschichte sind wir die Verlierer.

Wie Sandra aus dem Beispiel. In ihrer Geschichte war sie uninteressant und langweilig.
Das hat sie irgendwann erlebt, gehört oder auch nur vermittelt bekommen. Und sie hat beschlossen diese Geschichte zu glauben. 

Nicht alle Geschichten sind wahr

Vielleicht war es wirklich einmal so, dass sie auf einer Feier alleine dastand oder gar nicht wusste, was sie sagen sollte. Und vielleicht hat neulich der Traumtyp lieber mit der aufregenden Kollegin geflirtet.

Doch bedeutet das wirklich, dass Sandra langweilig ist? Ist das wirklich wahr?

Sandra könnte diese Geschichte hinterfragen. Sie könnte nach Gegenbeispielen suchen. Bestimmt gab es Gelegenheiten, wo sie überraschend ein spannendes Gespräch begonnen hat.

Doch sie wird vermutlich die Geschichte erst gar nicht überprüfen. Wie auch, wenn sie nichts von den Gedanken im Hinterstübchen weiß.

Achte auf deine Gedanken

Bei den meisten Menschen ist die Anzahl an Geschichten im Kopf begrenzt. Es gibt selten mehr als ein Dutzend Themen, die immer wieder auftauchen.

Wir wiederholen sie ständig.

Und das gibt ihnen Macht. Denn wir glauben sie unbesehen. Damit verstärken wir ihre Wirkung. Aus dem kleinen Trampelpfad wird ein richtiger Weg, den unsere Gedanken bequem beschreiten können.

Das ist kein Problem, wenn die Geschichte uns stärkt. Doch wenn nicht…

In den 90er Jahren gab es einen Test mit Studentinnen. Vor einer Matheklausur wurde ihnen gesagt, dass Frauen bei dem Test im Durchschnitt schlechter abschneiden als Männer. Sie haben es geglaubt und tatsächlich weniger Punkte erreicht.

Die Vergleichsgruppe kannte die (falsche) Geschichte nicht. Und wie erwartet erzielten Frauen und Männer durchschnittlich gleich gute Ergebnisse.

 

Nehmen wir jetzt an, dass Sandra ihre Ich-bin-langweilig-Geschichte glauben würde. Vermutlich bleibt sie dann zu Hause. Sie wird sich kaum aufraffen können. Sie möchte nicht auf eine Feier, wo sie sich einsam fühlt und frustriert wird.

Sie verbringt den Abend alleine vor dem Fernseher. Und sie fühlt sich langweiliger als je zuvor. Schon wieder ein Wochenende, an dem sie nichts erlebt hat.

Du kannst jederzeit deine Gedanken hinterfragen

Was könnte Sandra helfen?

Der erste Schritt ist, dass sich Sandra darüber bewusst wird, was sie denkt.
Vielleicht spürt sie ein Unbehagen. Sobald ihr das ungute Gefühl auffällt, fragt sie sich, was los ist.

Sie überlegt, was sie gerade gedacht hat. Und sie bemerkt die Befürchtung, sie könnte langweilig sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass sie davor Angst hat. Sie kennt den Gedanken gut. Sie hat ihn schon oft gedacht.

Doch dann hat sie genug.

Sie macht sich die Mühe und überprüft, ob die Geschichte überhaupt stimmt.

Nach einigem Nachdenken findet Sandra Beispiele dafür, dass sie auch auf Feiern Spaß haben kann, wo sie noch niemanden kannte. Nicht immer, aber doch öfter als gedacht.

Ihr fällt auf, dass sich manchmal andere einfach so für sie interessieren. Und sie bemerkt, dass sie durch ihre Art zuzuhören und Fragen zu stellen, zu einer guten Unterhaltung beiträgt.

Vor allem, erkennt sie, wie sie selbst für Spaß sorgen kann. Sie braucht nicht passiv in der Ecke stehen. Sie weiß, was sie tun kann.

Wenn sie nun wieder die Langweilig-Geschichte entdeckt, kann sie ganz entspannt bleiben. Manchmal stimmt sie, manchmal auch nicht. Sandra lächelt und geht los.

Was wir denken bestimmt unsere Gefühle und unser Verhalten.

Manche Gedanken führen zu Geschichten, die uns stärken.
Andere lassen uns kraft- und mutlos zurück. Sie haben meist ein Ende, das du auf keinen Fall erleben möchtest. Das sind die, die dich von deinem Weg abbringen und Zweifel nähren.

Wie du unbewusste Geschichten bemerken kannst

Zunächst ist es wichtig, dass du sensibel mit dir und deinen Gefühlen umgehst. Beginne darauf zu achten, wenn du dich ungewöhnlich fühlst.

Dann frage dich, was du gedacht hast. Welche Szenen haben sich vor deinem inneren Auge abgespielt? Wie ist der Film abgelaufen? Mochtest du das Ende?

Nimm wahr, welche Geschichten du dir erzählst.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand:

  • Dir wird bewusst, was du dir erzählst.
  • Du erkennst die Geschichten, die dir nicht gut tun.
  • Du kannst deine Gedanken hinterfragen.

Frage dich, ob die Gedanken wirklich wahr sind.

Manchmal genügt es, wenn wir die eigenen Gedanken hinterfragen.

Was wäre, wenn nicht?

Die wichtigste Frage bei allen Geschichten in deinem Kopfkino ist, was wäre, wenn es nicht wahr ist.

Was wäre, wenn es nicht so ist, wie du denkst?
Was wäre, wenn die Geschichte in Wirklichkeit ganz anders läuft?

Vielleicht fallen dir Beispiele ein, wo die Geschichte ein anderes Ende genommen hat als das, was sich automatisch in deinem Kopf abspielt.

Wenn du deine inneren Geschichten kritisch hinterfragst, verlieren sie ihre Macht über dich.

Doch dazu darfst du sie zunächst bemerken.

Achte nur heute darauf, was du denkst. Ist eine Geschichte dabei, die du dir immer wieder erzählst? Wie fühlt es sich an, wenn du die Geschichte glaubst?

Brauchst du Anregungen, wie du deine Gedanken für dich arbeiten lassen kannst? Dann lies meinen Artikel über die Stimmen im Kopf.

 


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Pflücke Deine Träume

Astrid von Weittenhiller
Coach für Lebensplanung

 

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Externe Links im Artikel:
http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/maedchen-koennen-doch-mathe-sie-werden-nur-nicht-gefoerdert-a-1063099.html

 

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