Was ist das Freundschafts-Dilemma?

Freundschafts-Dilemma: Die meisten Freundschaften zerbrechen nicht, sie verwelken • Foto by Astrid Weittenhiller

Du magst jemanden wirklich gerne. Aber nach jedem Treffen hast du ein komisches Gefühl, das du vielleicht gar nicht so genau greifen kannst?
Vermutlich steckst du im Freundschafts-Dilemma.

Dies ist der erste von zwei Artikeln zu diesem Thema. Es beginnt mit einer Art Definition und was hinter diesem Dilemma stecken könnte.

Wie erkennst du das Freundschafts-Dilemma?

Der einzige wirklich zuverlässige Ratgeber in deinem Leben, ist dein Gefühl. Es warnt dich vor Gefahr; es sagt dir, was du gut kannst (das was du gerne tust); und es zeigt dir, auf was du vertrauen kannst.

Das betrifft auch die Menschen, mit denen du deine Zeit verbringst. Mit manchen würdest du nicht freiwillig zusammen sein, von anderen kannst du nicht genug bekommen. Es fühlt sich gut in ihrer Nähe an – du fühlst dich gut. Das sind Menschen, die du magst und schätzt: Freunde!

Es mag aber Zeiten geben, wo du dich nach einem Treffen nicht mehr so gut fühlst. Du bist vielleicht erschöpft, genervt, ärgerlich, irritiert oder überfordert. Du magst deine Freundin noch immer, aber wenn du dich nach mehreren Treffen so fühlst, steckst du im Freundschafts-Dilemma.

Was kannst du tun? Du willst die Freundschaft nicht beenden oder auf Eis legen. Aber du möchtest dich auch nicht in deiner knappen Freizeit komisch fühlen.

Jedes schöne Gefühl hat seine Tränen. #LudwigBechstein Tweet mich

Es gibt einen guten Grund

Für alles, was wir tun und fühlen, gibt es einen guten Grund. Oft erkennen wir das nicht auf den ersten – oder zweiten – Blick. Aber es gibt ihn!

Das können Strategien sein, die wir schon sehr früh entwickelt haben. Wege, die sich bewährt haben, als wir noch weniger Möglichkeiten hatten. Diese Verhaltensweisen waren damals richtig, können aber heute hinderlich sein.

Deine Gefühle weisen dich darauf hin, das gerade etwas passiert, was dir nicht gut tut. Das ist immer ein guter Zeitpunkt, dein Verhalten zu hinterfragen und dir die Situation anzuschauen.

Wenn du jetzt denkst „So ein Quatsch! Meine Freundin ist gerade doof.“, ist das nur ein Teil der Wahrheit. Es spielt keine Rolle, ob sie sich gerade anders verhält als früher. Du reagierst heute anders und das ist das Einzige, auf das du wirklich Einfluss hast.

Und für deine andere Reaktion gibt es einen guten Grund, der gesehen werden möchte.

Wie profitierst du von der Freundschaft?

Ich höre schon den Aufschrei! Freundschaft und profitieren – das gehört wohl gar nicht zusammen!
Es geht hier auch nicht um Geld, Leistungen oder die Forderungs-Haltung.

Es geht hier darum, warum du mit deiner Freundin gerne zusammen bist. Was hat dir (früher) daran gefallen, wenn ihr eure Zeit miteinander verbracht habt?

• Habt ihr einen ähnlichen Geschmack?
• Mögt ihr die gleichen Dinge?
• Fühlst du dich mit ihr sicher und geborgen?
• Bringt sie dich zum Lachen?
• Kannst du dich bei ihr fallen lassen?
• Ist sie immer für dich da?

Es gibt unzählige Möglichkeiten! Was ist es für dich?

Irgendwas hat sich daran geändert. Wir machen alle viele verschiedene Phasen in unserem Leben durch. Manchmal haben wir Glück und unsere Freunde begleiten uns oder wir treffen sie später wieder. Manchmal trennen sich unsere Wege.

Im Freundschafts-Dilemma stehst du an einer Wegkreuzung. Und vermutlich weißt du nicht, was du jetzt tun sollst. Denn wie jede Veränderung gibt es auch hier Chance und Risiko.

Was ist das Risiko?

Ihr hattet bisher eine gute Zeit. Doch jetzt steckt eure Freundschaft in einer Krise. Besonders schwierig ist das, wenn nur du diese Krise empfindest. Deine Freundin weiß vielleicht gar nichts von deinem komischen Gefühlt.

Du willst oder kannst es auch nicht ansprechen. Richtig?

Warum nicht?

In dieser Frage steckt ein Teil der Lösung für dein Freundschafts-Dilemma.

• Hast du Angst?
• Möchtest du die Freundschaft nicht aufs Spiel setzen?
• Scheust du Konflikte?
• Weißt du nicht, was du sagen sollst – vielleicht weil dir noch die Klarheit fehlt?
• Vielleicht hast du es auch schon angesprochen, aber deine Freundin versteht dich einfach nicht?

Was ist das Risiko? Welche „Gefahr“ droht, wenn du versuchst, das Thema zu lösen?

Konkrete Fragen für deine Klarheit

In irgendeiner Form bist du emotional verstrickt. Oft können wir gar nicht klar benennen, was dieses komische Gefühl eigentlich ist. Wie in der Eigentlich-Falle brauchen wir erst einmal Klarheit.

Du hast dir ja schon bewusst gemacht, was dir früher an dieser Freundschaft wichtig war.
Das kann sich im Laufe der Zeit verändern. Besonders, wenn ihr inzwischen in unterschiedlichen Lebensphasen steckt. Vielleicht ist die eine solo, die andere verheiratet. Oder für eine stehen gerade Kinder im Vordergrund, während sich die andere um ihr Haus kümmert.

Beantworte dir so ehrlich wie möglich die folgenden Fragen. Sie sind der Ansatz für deine weitere Strategie zur Lösung des Freundschaft-Dilemmas.

  • Warum möchtest du heute noch diesen Kontakt aufrecht erhalten?
  • Was für Gefühle hast du vor, bei und nach eurem Treffen?
  • Welches dieser Gefühle ist am stärksten?
  • Wovor hast du Angst?
  • Wie würden die Treffen optimal für dich verlaufen? Was wäre dann anders?
  • Was erwartest du von deiner Freundin?

Bei diesen Fragen gibt es kein richtig und falsch!
Es geht darum, Klarheit zu schaffen und deinen Gefühlen Raum zu geben. Kein Mensch braucht erfahren, was du dir denkst. Aber ich empfehle immer, diese Fragen schriftlich zu beantworten. Damit wird es für dich deutlicher.

Du brauchst jetzt noch gar keine weiteren Schritte unternehmen. Zunächst geht es darum, dass dir wirklich klar wird, was Sache ist.

Im zweiten Teil beschreibe ich dann drei bewährte Strategien, wie du mit deinem Freundschafts-Dilemma umgehen kannst.

Wenn dich das Thema interessiert, lass es mich bitte in einem Kommentar wissen!
Schreibe bitte auch, welche Frage dir am meisten Klarheit gebracht hat oder welche Frage dir zusätzlich noch eingefallen ist.

Vielen Dank für deine Zeit! Ich freue mich, dass du meinen Artikel gelesen hast.

Ich wünsche dir einen schönen Tag und

Pflücke Deine Träume

PS: Worauf wartest Du noch?

 

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  • Karin Mager sagt:

    Liebe Astrid,

    du sprichst ein wichtiges Thema an. Für Menschen, die stark in Familienbanden eingebettet sind, ist das vielleicht nicht so bedeutungsvoll – oder irre ich mich da? – Ich gehöre zu den Menschen, die kaum Familienbande haben. Da gewinnen die Beziehungen zu Freunden eine besondere Bedeutung. Sie sind mein soziales Netz, mit dem ich mich verbunden fühle und von dem ich Unterstützung bekomme – praktisch und emotional, insbesondere von Freundinnen, die in einer ähnlichen Lebenssituation sind. So wichtig mir meine engen Freundschaften sind, kann es trotzdem vorkommen, dass man sich im Laufe der Jahre verändert und die Freundschaft so nicht mehr stimmig ist.

    Ich beschreibe eine solche Veränderung einer Freundschaft im 2. Teil deines Blogs, da er da inhaltlich noch besser hinpasst.

    Lieben Gruß, Karin

  • Cornelia sagt:

    Hallo Astrid,

    es könnte auch sein, dass du einfach mal Rückzug brauchst. Das ist bei mir manchmal so. Ich hab dann einfach keine Lust auf ein Treffen, auf ein Gespräch oder auf einen Kaffee. Ich möchte dann einfach alleine sein.

    Ich hab mir angewöhnt, dass dann einfach zu sagen. Auch meinem Partner z.B. „Du Schatz, ich mag heut nicht reden, ich brauche Zeit für mich“. Oder auch zur Freundin, „ich mag heute nicht, ich muss alleine sein!“

    Es tut sich so viel in uns und aussen rundherum. Ich glaube, wir müssen das auch einmal verarbeiten und da stört manchmal die Freundin, der Freund. Das hat nur mit mir was zu tun und nichts mit dem Freund.

    Wenn er/sie das weiß, dann kann er/sie wahrscheinlich damit umgehen. Also klare Worte, sind immer super.

    Alles Liebe
    Cornelia

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