In Vertrauen stärken | Astrid von Weittenhiller | 0 Kommentare

Aufschieberitis

Aufschieberitis – Procrastination

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe stets nicht auf morgen.“
So habe ich das früher mal gelernt.

Gerlernt stimmt nicht ganz. Denn es kommt noch immer vor, dass ich bestimmte Aufgaben auch mal monatelang aufschiebe – wenn ich sie gar nicht erledigen mag.

Procrastination ist Englisch* und bedeutet Verzögerung, Aufschub, Verschleppung, Zögern, Aufschieben, Verschleppungstaktik, Saumseligkeit und umgangssprachlich Aufschieberei bzw. Aufschieberitis (Quelle: http://www.dict.cc).

* Ja, ich weiß, dass der Begriff Procrastination ursprünglich aus dem Lateinischen (procrastinatio = Vertagung) stammt, doch den Sprung ins Deutsche hat seine Anwendung in der englischsprachigen Psychologie gefunden.

Warum sagen alle Procrastination?

Das erste was mir zur heutigen Überschrift einfällt ist, dass es bei uns keine eindeutige Entsprechung zu Procrastination gibt. Alle deutschen Begriffe klingen in meinen Ohren holprig, altertümlich oder nicht sehr gebräuchlich. Gibt es denn bei uns dieses Phänomen nicht?

Oder entspricht es nicht unserem Selbstbild, das wir saumselig sind und unsere Tatkraft verschleppen? Wir Deutschen gehen stets zielgerichtet und ohne Zögern auf unser Ziel zu – oder?

Scheinbar ist die Tatsache, dass das nicht stimmt, inzwischen nicht mehr zu leugnen, denn Procrastination bzw. Aufschieberitis drängt sich immer mehr in unser Bewusstsein. Aktuell ergibt eine Suche nach Aufschieberitis bei Amazon bereits 50 Ergebnisse.

Ist Aufschieberitis eine Krankheit?

Das zweite was mir auffällt ist, dass es durch die Endsilbe „–itis“ eine Entzündung, eine Krankheit beschreibt. Es handelt sich also nicht um eine selbstgewählte Verschleppungs-Taktik. Wir sind hier die Opfer. Es ist uns nicht möglich unser Vorhaben zu erledigen. Denn es handelt sich um einen Virus oder Bakterien, die uns heimsuchen. Wir sind also unschuldig an unserem Schicksal.
Keiner kann uns einen Vorwurf machen, denn es handelt sich ja um eine Krankheit.

Um es mal auf den Punkt zu bringen: Ich weiß, ich habe meine persönliche Aufschieberitis selbst zu verantworten. Ich weiß, es tut mir nicht gut, Dinge auf den letzten Drücker zu machen. Ich weiß, dass damit mein Stress hausgemacht ist.

Das alles weiß ich, es ist mir bewusst und ich übernehme auch die Verantwortung dafür.

Trotzdem gibt es Dinge, die ich wirklich erst dann tue, wenn es unbedingt sein muss.

Was hat das mit Furcht zu tun?

Eine sehr kluge Frau meinte einmal zu mir, dass wir erst dann etwas tun, wenn der äußere Druck größer ist als unsere Furcht vor einer bestimmten Aufgabe.

Furcht? Ja, denn wenn uns die Aufgabe kein Unbehagen bereiten würde, hätten wir es schon längst gemacht. Oder musste dich schon mal jemand dazu überreden jetzt doch endlich diese leckere Schokolade zu essen? Mir fallen solche Aufgaben sehr leicht 🙂

Für alle, die es ganz genau nehmen, Furcht ist die konkrete Form der Angst. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass ich mich beim Abstauben der Bücher schrecklich langweilen werde, ist das für mich schon ein Grund mich davor zu fürchten.

Wenn man dann noch bedenkt, dass unser gesamter Gen-Pool auf Überleben ausgerichtet ist, darauf, dass wir uns nicht in Gefahr begeben, sondern friedlich in der Höhle Kinder zeugen, kann ich meine Aufschieberitis mit einem Schmunzeln betrachten.

Was tun?

Wie immer ist es auch hier wichtig eine persönliche Strategie zu entwickeln. Wie kann ich meine eigene Verschleppungstaktik aushebeln?

In der Schule haben wir unsere Hausaufgaben gemacht, da wir sonst Probleme mit dem Lehrer oder einen Eintrag ins Klassenbuch bekommen haben. Wenn wir morgens nicht ins Büro gehen, verlieren wir unseren Job und landen unter einer Brücke.

Aber was passiert, wenn ich nicht abstaube? Gar nichts! Außer es kündigt sich Besuch an und ich werden dann für die schlechte Hausfrau gehalten, die ich bin. Ich hatte schon überlegt, jede Woche Besuch einzuladen, damit ich regelmäßig putze. Oder wäre eine Haushaltshilfe sinnvoller?

Gibt es einen Ausweg?

Die beste Lösung ist, sich Termine zu setzen und das jemandem mitzuteilen.
Der soziale Druck ist immer sehr effektiv. Der beste Sparringspartner gegen Aufschieberitis ist jemand, der selber ein bestimmtes Ziel verfolgt und die gerne rauszögert. Aber arbeite bitte mit jemandem, der dich nicht nervt, sondern der dich konstruktiv fragt, wie er dich bei der Erreichung deines Zieles unterstützen kann. Oder suche dir einen guten Coach oder ein Erfolgsteam.

 

Ich hoffe, dass du heute wieder etwas mehr Verständnis für dich selbst bekommen hast.
Und wenn du mal an Aufschieberitis leidest und gar nicht die Kraft hast, aktiv zu werden? Was kannst du tun, wenn dich mal keiner unterstützen kann?
Dann wähle dir schriftlich (!) einen realistischen Zeitpunkt, wann du spätestens mit deiner Aufgabe anfangen wirst und genieße die Zeit bis dahin als geschenkten Freiraum.

Ängste und Zweifel sind natürliche Überlebensmechanismen. Mache sie zu Verbündeten!

 

Ich danke dir dafür, dass du dir die Zeit genommen hast, den Artikel zu lesen. Und wenn du Lust hast, schreibe einen Kommentar über deine Aufschiebereien…

Ich wünsche dir einen schönen Tag und

Pflücke Deine Träume

PS: Worauf wartest Du noch?

Titelfoto: Chip.de

 

​Über Astrid von Weittenhiller

Astrid arbeitet online als Life-Coach. Dabei zeigt sie Frauen, die ihren Mutter-Wunsch aufgeben, wie sie ihre Beziehung zu sich und anderen verbessern. So finden sie inneren Frieden und erschaffen sich ein erfülltes Leben. Privat findest du Astrid oft draußen beim Wandern, Trekking oder Spazieren.

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